Bestsellerautorin Jodi Picoult zu Besuch in Hamburg: „Ich fühlte mich dreckig.“

„Rassismus“: eines der zwei Wörter, die die amerikanische Autorin Jodi Picoult auf Deutsch sagen kann, und gleichzeitig das Thema ihres neusten Romans, „Kleine große Schritte“. Das andere Wort: „Wasser“ – passend zu ihrem Besuch in der Buchhandlung Heymann im Hamburger Stadtviertel Eimsbüttel, in die der Verlag C. Bertelsmann vergangenen Dienstag zur Lesung einlud.

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Wasser gibt es in der Hansestadt in rauen Mengen … und leider ist auch Rassismus schon lange nichts mehr, was nur im großen, bösen Amerika Wellen schlägt. Spätestens seit der Flüchtlingskrise wurde wohl jeder Zeuge von rassistischen Bemerkungen und Ansichten. Gerade vergangenen Samstag marschierten in Polen rund 60.000 Nationalisten und Rechtsradikale für ein „weißes Europa“. Bilder und Worte, die einem unbegreiflich erscheinen, die sich in der heutigen Zeit jedoch leider häufen.

Dass der Rassismus nicht urplötzlich aus dem Boden gestampft wurde oder seit dem Bürgerkrieg im Tiefschlaf gelegen hatte, sondern auch in den letzten Jahrzehnten bereits unterschwellig traurige Realität in ihrem Land war, weiß Picoult. Seit letztem Jahr seien Hassreden jedoch quasi legalisiert – seit in Washington D.C. ein neuer Präsident im Weißen Haus sitzt (der auf der Lesung bewusst nur mit „Der, der nicht genannt werden darf“ betitelt wurde).

Tosender Applaus und Blitzlichtgewitter begrüßten die Autorin auf ihrer ersten Deutschland-Buchtour bei ihrem Stopp in der Hansestadt. Mit ihrem Roman „Beim Leben meiner Schwester“ fing meine persönliche Obsession an. Bisher habe ich Picoults Werke in der Originalsprache verschlungen, dank dem C. Bertelsmann Verlag kam ich nun zum ersten Mal in den Genuss, mich auf Deutsch von Picoults Schreibtalent begeistern zu lassen.

Picoult über den Roman: „Es war meine größte Herausforderung.“

„Kleine große Schritte“ erschien in Amerika bereits im Herbst 2016 unter dem Titel „Small Great Things“. Seitdem reist Jodi Picoult mit ihrem neusten literarischen Werk durch die ganze Welt. Doch mit dem Thema Rassismus beschäftigt sie sich schon viel länger. Vor Jahren schon überlegte sie, eine Geschichte zu dem brisanten Thema zu schreiben; die zündende Idee lieferte ihr dann wie so oft die erschreckende Realität.

2012 verklagte eine Krankenschwester das Krankenhaus, in dem sie arbeitete, da es ihr auf Wunsch rechtsradikaler Eltern verbat, sich als Afroamerikanerin um das Neugeborene zu kümmern. Die Krankenschwester gewann die Klage, und bei Jodi Picoult fingen die Rädchen an, sich zu drehen. Was wäre, überlegte sie, wenn der Vorfall nicht so glimpflich ausgegangen wäre? Was, wenn die Schwester in dem Moment mit dem Kind alleine gewesen wäre, wenn ein Notfall eintrat? Wie würde sie handeln? Was für Konsequenzen hätte ihre Entscheidung?

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Wie so viele von Picoults Romanen basiert somit auch „Kleine große Schritte“ auf wahren Begebenheiten, die die Erfolgsautorin provokativ auf die Spitze getrieben hat. Zur Vorbereitung betrieb Picoult umfangreiche Recherche – tatsächlich war es die meiste Vorarbeit, die sie jemals für einen Roman geleistet hatte.

„Wenn ich von meinen Lesern verlange, sich mit dem Thema [Rassismus] auseinanderzusetzen“, so Picoult, „dann muss ich es zuerst selbst getan haben.“ Außerdem wolle sie dieses brisante Thema mit dem gebührenden Respekt behandeln. Lange Zeit war sie sich nämlich gar nicht sicher gewesen, ob sie als weiße Frau über Rassismus schreiben oder reden durfte. Schließlich entschied sie sich dafür: „Rassismus wurde von uns [Weißen] erschaffen, es liegt nun an uns, ihn abzuschaffen.“

Ihre eigene Verarbeitung des Themas hätte ihr Leben verändert – und auch die Art, wie sie ihr Leben lebt. Sie gehe nun bewusster durch die Welt. „Ignoranz ist ein Privileg der Weißen“, so Picoult. Man müsse sich bewusst machen, dass Rassismus nicht nur in den großen Gesten und übelerregenden Parolen der Rechtsextremen existiert und auch nicht nur in einzelnen Personen zu erkennen sei. Institutionen z. B. bevorteilen oft Weiße; Vorurteile beeinflussen Entscheidungen bei der Bildung, bei der Wohnungs- und Jobsuche. Auch wenn wir persönlich keine Rassisten sind, ziehen wir doch öfter, als uns bewusst ist, Vorteile aus den rassistischen Einstellungen anderer.

Damit wolle sie niemandem ein schlechtes Gewissen einreden – und man solle sich auch nicht schuldig fühlen, als Weiße geboren zu sein: Niemand ist dafür verantwortlich, mit welcher Hautfarbe er oder sie auf die Welt kommt. Picoult ruft stattdessen dazu auf, in einen Dialog zu treten. „Wir haben alle viel zu viel Angst, unseren Gegenüber zu beleidigen“, so Picoult. Dabei sei es so einfach, zuzugeben, dass man nicht alles über das Leben und die Lebensweise des anderen kennt. Oftmals gehe es dem anderen genauso. Es ginge darum, jede noch so dumm erscheinende Frage stellen zu dürfen – und nicht über den anderen zu urteilen. „Sagt einfach: Ich will lernen.“

Runde Charaktere: über unperfekte Heldinnen und Monster, die Mitleid erregen

Was mir bei Jodi Picoults Romanen immer wieder auffällt, sind die authentischen runden Charaktere, die ihre Bücherwelten bewohnen. Um den richtigen Ton zu treffen, verbringt die Autorin überdurchschnittlich viel Zeit mit der Recherche. Dabei ist es ihr wichtig, nicht nur mit einer Person zu sprechen, die ihrer Figur ähnelt, sondern diverse Einblicke in die Szene zu bekommen.

Um die Figur der Ruth zu erschaffen zum Beispiel – eine afroamerikanische Krankenschwester – sprach Picoult nicht nur mit Krankenschwestern, um die technischen Mittel und die Sprache richtig zu treffen, sondern auch mit Afroamerikanerinnen in Vereinen und bei anderen Treffen, die mit ihr über ihr Leben als Farbige im heutigen Amerika sprachen; ein Leben, bei dem Rassismus auf der Tagesordnung steht.

Wie es war, sich in einen Skinhead einzufühlen

Für ihren männlichen Protagonisten Turk – einen trauernden Vater, der Ruth wegen ihrer Hautfarbe verabscheut – sprach Picoult mit ehemaligen Neonazis. Die zwei Männer hatten ein Leben des Hasses hinter sich gelassen und arbeiten nun für ein besseres Miteinander sowie für die Überführung von anderen Rechtsradikalen. Dank ihnen bekam Picoult einen Einblick in abscheulichste Praktiken, die auch heute noch überall in Amerika von Neonazis praktiziert werden – und nicht nur in den abgeschiedensten Gegenden des Landes, betont die Bestsellerautorin.

Dank der Hasstiraden eines gewissen Politikers scheinen Hasspredigten legalisiert; nicht nur auf den Straßen sind Skinheads mit ihren Parolen unterwegs, sie gehen auch aktiv auf Universitätsgelände, so Picoult. „Redefreiheit bezieht sich nicht auf Hasspredigten“, wiederholt die Autorin mehrmals.

Aber es gehe sogar noch weiter als bloßes öffentliches Deklarieren: „Skinheads sehen aus wie Sie und ich“, sagte Picoult am Dienstagabend in Hamburg. Keine (oder nicht mehr nur) rasierten Schädel, keine sichtbar getragenen Hakenkreuze oder ähnliche Zeichen, die einem sofort einfallen, wenn man an Neonazis denkt. Heutzutage laufe, wie bei so vielen anderen Themen, vieles übers Internet, erklärt Picoult. Skinheads verbreiten ihre Meinungen über Social Media, oftmals anonym und mit erschreckender Wirkung.

Sie habe sich dabei dreckig gefühlt, verrät Picoult über den Schreibprozess ihrer Figur Turk. So etwas habe sie noch bei keinem anderen Buch, bei keinem anderen Charakter empfunden. „Ich musste, nachdem ich seine Passagen geschrieben habe, erst einmal duschen gehen.“

Der wahre Protagonist ist der Leser selbst

Am nächsten fühlt Jodi Picoult sich der Figur Kennedy, der weißen Anwältin von Ruth. Viele ihrer eigenen Meinungen und Vorurteile und, ja, auch ihre Ignoranz, spiegeln sich in denen von Kennedy wider. Picoult selbst machte durch die Recherche für das Buch und das Schreiben eine Verwandlung durch. Sie verrät uns: „Anfangs denkt man vielleicht, man lese ein Buch über Ruth, aber wenn man das Buch beendet, erkennt man, dass man tatsächlich Kennedys Geschichte gelesen hat – und damit auch seine eigene.“

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Runde Charaktere sind das A und O für die amerikanische Autorin. Es sind keine einseitig guten oder schlechten Menschen, auch die scheinbar Guten machen Fehler, haben Probleme und schlechte Eigenschaften. Dafür empfindet man auch mal Mitleid mit dem Bösewicht – unbeabsichtigt, sodass man direkt von seiner eigenen Reaktion angeekelt ist.

„Ich begegne auf der Straße kaum Heiligen – und auch Monster haben Eltern, die sie lieben“, erklärt Picoult ihre Entscheidung, ihre Romane mit multidimensionalen Charakteren zu bevölkern.

„Kleine große Schritte“ habe sie chronologisch geschrieben, statt die Passagen einzelner Charaktere geschlossen zu verfassen. Sie wäre sich schon manchmal vorgekommen, als hätte sie mehrere Persönlichkeiten. Andererseits wäre der einzige Unterschied zwischen Schizophrenie und Schreiben auch nur, so Picoult, dass man fürs Schreiben bezahlt würde.

Über Aktualität, den richtigen Riecher und Lachmusekln

Just am Tag der Lesung kam erneut eine Schreckensnachricht aus den USA: Erneut gab es einen Amoklauf, dieses Mal in einer Grundschule. Jodi Picoult, die bereits vor zehn Jahren in einem Roman Amokläufe thematisierte, war entsetzt, aber nicht überrascht. Es würde leider auch nicht das letzte Mal sein, dass so etwas passiere, so lange wie die Schützen in den Medien glorifiziert würden und die Waffengesetze in den USA sich nicht änderten, so Picoult. Sie schlug vor, sich in der Berichterstattung stattdessen auf das Leben der Opfer zu konzentrieren.

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Ihre Romane zeichnen sich durch ihre Aktualität aus. So unterschiedlich die Geschichten sind, so behandeln sie doch immer das heutige Leben in Amerika, Menschen, in denen man sich wiederfindet, und Themen, die die Welt bewegen.

Ob sie in die Zukunft sehen könne, wird Jodi Picoult oft gefragt. Sie lacht, als es auch an diesem Abend zur Sprache kommt. Oftmals käme es wirklich vor, dass sie über ein Thema schreibt und kurz nach der Erscheinung des Romans passiert etwas oder das Thema kommt aus einem anderen Grund in den Vordergrund. Sie selbst erklärt es sich so, dass sie über Themen schreibt, die sie als Mutter/Frau/Amerikanerin/Mensch interessieren oder ihr Sorgen bereiten. Und das scheint in den Lesern Anklang zu finden. Diese haben ähnliche Ängste, stecken in ähnlichen Krisen oder moralischen Dilemmas.

Ein weiteres Merkmal von Picoults Romanen ist der häufige Bezug zu Familien, so auch in ihrem neusten. Während tiefgreifende Themen die Leben der Protagonisten beeinflussen, sucht jeder der drei doch nur einen Weg, eine bessere Welt für ihre Kinder zu schaffen.

Lachen erlaubt!

„Das Buch kann nicht nur dunkel, schrecklich und grausam sein.“ Picoult versichert uns, dass auch leichte Szenen und Humor im Roman vorkämen. „Es muss den Lesern erlaubt sein, zu lachen.“

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Die Autorin

Jodi Picoult wurde 1966 in New York, USA, geboren und studierte an den Elite-Universitäten Princeton und Harvard. Ihre Karriere als Autorin begann 1992; mehr als zwanzig Romane sind inzwischen von ihr erschienen (sogar mir fehlt noch der eine oder andere). Sie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet (u. a. 2003 mit dem renommierten New England Book Award). Ein wenig mit Deutschland verbunden könnte Picoult sich dennoch fühlen: Immerhin lebt sie mit ihrem Mann in Hanover, New Hampshire.

Noch mehr Picoult

Wer noch nicht genug von der amerikanischen Autorin hat, kann auf deren offiziellen Website detaillierte Hintergründe zu ihren Romanen sowie häufige Fragen (und die dazugehörigen Antworten) nachlesen.

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Dank

Mein Dank geht an die Heymann Buchhandlung Eimsbüttel für den schönen Abend sowie an den Verlag C. Bertelsmann für das Gewinnspiel, bei dem ich zwei Tickets für die tolle Veranstaltung gewonnen habe, sowie für das Rezensionsexemplar von „Kleine große Schritte“.

Jodi Picoult: Vielen Dank, dass Sie nach Deutschland gekommen sind und sich so viel Zeit genommen haben.

Und natürlich: Danke an euch, liebe Leser, fürs Durchhalten (es war ja doch ein etwas längerer Beitrag). Ihr seid genial!

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Mit Kuss-Parade lässt Autorin Jennifer L. Armentrout in Hamburg Fangirl-Herzen höherschlagen

Große Gefühle bei Jennifer-L.-Armentrout-Fans in Hamburg! Freudiges Gequietsche, Aufregung, die mit jedem Schritt, den man sich dem Signiertisch nähert, größer wird …

Am Dienstagabend war die amerikanische Bestsellerautorin Jennifer L. Armentrout, die in Deutschland zuerst durch ihre „Obsidian“-Reihe bekannt wurde und inzwischen über zwanzig deutsche Erscheinungen vorweisen kann, in Hamburg zu Gast. Eingeladen wurde in das charmante Zeise Kino; die alte renovierte Fabrikhalle, in der es angesiedelt ist, war später auch die Kulisse für die Signierstunde. Veranstalter waren die Verlagshäuser Carlsen, HarperCollins Germany und Piper, in denen Armentrouts Bücher gleich mehr als ein Zuhause gefunden haben. Der Buchhandlung Hugendubel möchte ich hier besonders für den Büchertisch danken. Zum ersten Mal bin ich nämlich in die Verlegenheit gekommen, dass sich E-Books nicht allzu gut signieren lassen …

Eine tolle Überraschung gab es dann auch gleich zu Anfang: Jede Besucherin bekam eine Goodie-Bag, mit dem Hashtag Amazing Armentrout versehen und mit einer Kerze und einer Handcreme im Armentrout-Buch-Design sowie einem Kettenanhänger im „Obsidian“-Stil bestückt.

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Facebook-Einladung zur Lesung von Jennifer L. Armentrout im Zeise Kino in Hamburg.

Ganz schön viele Küsse für etwas wenig Autorinnenkontakt

Bereits erwähnte Kuss-Parade fand natürlich lediglich auf dem Papier statt. Schauspielerin Dorothee Krüger unterstützte die Veranstaltung mit wunderbar inszenierten deutschen Lesungen aus drei Werken der Autorin: „Obsidian“, „Erwachen des Lichts“ sowie „Deadly Ever After“. In jeder Lese- bzw. Hörprobe stand ein Kuss im Mittelpunkt; unverkennbar bei allen dreien: Armentrouts Schreibstil und Vorliebe für intensive Szenen mit viel Nervenkitzel.

Ich zögere jedoch ein wenig, die Veranstaltung als gelungene Lesung zu bezeichnen. Als alter Hase, was sowas angeht, konnte ich leider nur etwas enttäuscht sein. Besonders, da ich gerade in den letzten Wochen tolle Abende mit deutschen Literatur-Größen wie Cornelia Funke und Kerstin Gier besuchen durfte. Für eine gelungene Lesung gehört für mich einfach dazu, dass die Gäste auch eine Kostprobe in Originalsprache erhalten.

Besonders dass die Autorin kaum zu Wort kam, fand ich etwas unpassend. Dafür, dass wir alle da waren, um sie zu treffen und mehr über sie zu erfahren, wurde ein zu großer Teil der Stunde, die wir im Kinosaal verbringen durften, damit verbracht, den Inhalt verschiedenster Bücher zu präsentieren (den die Fans sowieso auswendig kennen) und die drei Passagen zu verlesen. Beides war meines Erachtens wenig hilfreich, um die Autorin selbst besser kennenzulernen. Mein Gedanke dazu: Wenn man schon jemanden nach Deutschland einlädt, dann sollte man ihn/sie auch aus seinen/ihren eigenen Werken lesen lassen. Vielleicht verstehen nicht alle im Publikum die englische Sprache, doch meines Erachtens hätte sich niemand beschwert, wenn er dafür ein paar mehr Minuten den originalen Worten seines Idols hätte lauschen dürfen.

Die Q&A, das Interview, zwischen den einzelnen Lesungen fiel dann leider ebenfalls mau aus. Insgesamt war zwischen den einzelnen verlesenen Passagen nur Zeit für eine Handvoll Fragen. Richtig munter wurde die Autorin erst, als endlich die jungen Leserinnen zu Wort kamen. Hier sah man endlich den „quirky“ Charakter der Autorin durchblitzen, als sie die Fangirl-Fragen mit viel Charme und offener Freude an ihren Werken beantwortete.

Dass Armentrout eine große Anhängerschaft in Hamburg hat, war schon vorher klar gewesen: Fast jeder der Kinositze war besetzt. Ich war mit meinen siebenundzwanzig Jahren schon eine der Älteren im Saal. Im direkten Vergleich zu Kerstin Gier, bei deren Jugendbuchlesung vor allem erwachsene Fans anzutreffen waren, konnte man vergangenen Abend besonders gut erkennen, welche Zielgruppe Armentrout mit ihren Reihen zu erreichen versucht. In dieser Hinsicht sind Kat und Daemon („Obsidian“ von Armentrout) im selben Atemzug zu nennen wie Bella und Edward („Biss“-Serie von Stephenie Meyer) und Elena und Damon („The Vampire Diaries“ von L. J. Smith). Letztere Autorin nannte Armentrout übrigens als ihre Inspiration, weswegen sie schon früh entschied, Autorin zu werden: Genauso wie ihr literarisches Idol wollte sie derartige Gefühle in den Lesern hervorrufen, wie sie sie als 13-Jährige beim ersten Lesen der Diaries empfunden hatte.

Auf die Frage, wie man sich ihren Schreibprozess vorstellen könne, antwortete die Amerikanerin, sie wünschte, sie wäre die Art Autorin, die alles vorher bis ins letzte Detail plottet. Stattdessen habe sie zu Beginn einer neuen Geschichte lediglich eine gewisse Ahnung, wohin die Reise gehen soll, danach vertraue sie darauf, dass ihre Handlung sich von allein entfaltet. Damit fahre es sich bisher sehr gut – auch wenn man hin und wieder ganze Stücke des Geschriebenen streichen müsse, wenn diese dann doch nicht ans gewünschte Ziel führen.

Inspiration finde sie dagegen überall: in einem Lied, in einer Werbung, aber auch in persönlichen Erlebnissen. Der Rest sei ihrer ausgeprägten Fantasie gutzuschreiben.

Bei der Signierstunde wird eines klar: Armentrouts Fans haben viel Geduld … und noch mehr Bücher

Es war wohl meine eigene Schuld. Noch einmal schnell aufs Klo huschen und einen Abstecher zum Büchertisch und Gästebuch (das Armentrout am Ende ihrer Lesereise überreicht bekommen wird) … und schon stand ich einmal quer durch die ganze Fabrikhalle als Letzte in der Schlange. Wenigstens noch nicht draußen, war da noch mein erster Gedanke. Da wusste ich aber noch nicht, dass ich geschlagene zwei Stunden auf mein Autogramm würde warten müssen. Ja, richtig gelesen. Zwei. Stunden.

Wer sich einen Eindruck von der Warteschlange machen möchte, kann sich auf Armentrouts Facebook-Seite ein Video davon anschauen (wurde kurz vor Mitternacht am 17.10. gepostet). Sucht mich … wartet … wartet … wartet … Oh, Video zu Ende. Aber da um die Ecke, da war ich.

Leider wurde die Regel, nur ein Buch signieren zu lassen, nach einiger Zeit aufgehoben, was viele freudestrahlend aufnahmen, ich dann doch mit einem Seufzen, als überall um mich herum Berge von Büchern (I’m not kidding – manche waren mit vollständigen Reihen angereist) herausgeholt wurden. Gut, dass ich FÜR GENAU SOLCHE MOMENTE immer ein Buch in der Tasche habe. Und hätte das nicht gereicht, hätte ich ja immer noch genügend Armentrout-Lektüren zur Auswahl gehabt.

Sage und schreibe sieben Bücher kommen allein in diesem Jahr von der amerikanischen Autorin in Deutschland auf den Markt. Overkill? Vielleicht. Ein wenig verliert man dann doch die Übersicht, bei mehreren Reihen mit ähnlicher Handlung. Tausche Alien gegen Halbgott gegen Dämon gegen Gargoyle – was bleibt ist ein heißer Typ, der für solche anbeißenden Szenen sorgt, wie wir sie an diesem Abend gehört haben.

Trotz allem war es schön mit anzusehen, dass ganze Cliquen von Armentrout-Anhängerinnen so viel Spaß und Fan-Liebe mitbrachten. Sogar wir alten Hasen bekommen dann wieder dieses freudige Kribbeln, wenn man dann doch endlich vor der Autorin steht. Um Teil von  all dem zu sein, steht man dann doch gerne an.*

(*Wenn auch nicht für zwei Stunden – am Ende hielt mich nur noch meine Sturheit 😉 )

Eins ist auf jeden Fall klar: Jennifer L. Armentrout is here to stay. Die Autorin kommt gut an in Deutschland und wird wohl auch in den kommenden Jahren vom Jugendbuchmarkt nicht wegzudenken sein.

Einmal ist keinmal: Für die, die nicht genug von Armentrout kriegen

Die Amerikanerin hat ein straffes Programm. Bereits von der Frankfurter Buchmesse kommend, die sie mit ihrer Größe schier überwältigt habe, ist sie in den folgenden Tagen noch in Berlin zu Besuch, bevor es weiter in die Niederlande und nach Italien geht.

Hast du schon alle Romane von Jennifer L. Armentrout? Im deutschen Handel erhältlich sind u. a. die Reihen „Obsidian“ und „Dark Elements“, der Krimi-Einzelband „Deadly Ever After“ sowie (unter dem Pseudonym J. Lynn) die Reihe „Wait for You“.

„Obsidian“ wurde von Hollywood bereits optioniert, zurzeit wird am Drehbuch gearbeitet. Eventuell wird man also in (nicht ganz so naher) Zukunft Daemon und Co auf der Kinoleinwand bewundern dürfen. Wer weiß, vielleicht kehre ich dafür wieder ins Zeise Kino zurück?!

Make Climate Sexy Again – Julia Dibbern liest im Klimahaus

Das böse Wort „Klimaerwärmung“ darf man heutzutage ja kaum noch in den Mund nehmen, geschweige denn es als Thema eines Romans auswählen, ohne dass der Gegenüber genervt die Augen verdreht und die Gedanken wandern lässt. Sollte man meinen! Ein weiterer Trugschluss: Die Jugend will sich erst recht nicht mit so (Vorsicht: Wortwitz!) trockenen Themen beschäftigen.

Julia Dibberns „Wolkendämmerung“ schafft es trotz des Stigmas „Umweltroman“ dank spannendem Plot und authentischem Schreibstil – und ohne autoritären Zeigefinger! –, den Leser zu fesseln und so das Thema Klima wieder sexy werden zu lassen.

Die Mischung macht’s: Vortrag über Geoenineering und Thriller-Lesung

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Die zahlreichen Zuhörer, sowohl Schüler als auch Erwachsene, hängen gebannt an Julia Dibberns Lippen, während Nicholas, Dibberns Protagonist, hoch oben auf einer Klippe steht, verfolgt, verzweifelt, zu allem bereit.

Ein starker Einstieg – mit Bedacht gewählt, so die Autorin des Jugendthrillers „Wolkendämmerung“. Er stelle eins klar: Ihre Geschichte ist weder trocken noch langweilig. Voller Spannung und Atmosphäre wird die Problematik Klimawandel und der daraus resultierende Kampf präsentiert. Dabei ginge es ihr vordergründig darum, eine geile Geschichte zu schreiben. Belehren wolle sie niemanden, so Dibbern.

„Thought is wonderful, but adventure is more wonderful still.“ – Oscar Wilde

Ein stigmatisiertes Thema „sexy“ verpacken – so ähnlich sieht es auch der heutige Lesungsort. Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost ist bekannt für seine originelle und einzigartige Kulisse, vor der Themen wie Klima und Wetter dargestellt werden: Mit tollen Effekts zum Anfassen kann man hier die unterschiedlichen Klimazonen entlang des 8. Längengrads durchwandern.

Obiges Zitat von Wilde ist am Eingang zum Rundgang zu finden und lässt erkennen, was Klimahaus und Julia Dibberns Roman gemein haben: So interessant und wichtig der Inhalt Klima ist – manchmal muss er einfach in einem atemberaubenden Abenteuer verpackt sein!

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Julia Dibbern: „Ich schreibe keine Sciene-Fiction!“

Bevor sich Julia Dibbern ganz dem Schreiben von Sachbüchern und Jugendromanen widmete, war sie Journalistin für Nachhaltigkeit. Ihr Beruf machte ihr deutlich, wie sehr unsere Welt schon an die Dystopien anderer Autoren erinnert. So wird auch „Wolkendämmerung“ oftmals fälschlicherweise und vorschnell als Science-Fiction abgetan. Dibbern muss dann leider widersprechen: Die Handlung in ihrem Roman ist zwar frei erfunden, jedoch gründlich recherchiert und durchaus im Bereich des Möglichen. Die Zukunft ist jetzt – in diesem Fall ein erschreckender Gedanke.

Der Roman: die Handlung

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Umweltromane im Klimahaus-Shop, u. a. Julia Dibberns „Wolkendämmerung“

Abseits von jedweden Verhandlungen über das Pariser Abkommen wächst Nick bei seinem Vater in L. A. auf. Er unterrichtet jüngere Kids im Parkours und hilft in einem Gemüseladen aus, um seine Familie über Wasser zu halten, da sein Vater diese Rolle schon lange nicht mehr übernimmt. In seiner Freizeit ist Nick jedoch begnadeter Fotograf – und erhofft sich später auch eine Karriere in dieser Branche. Dieser Wunsch scheint sich schneller, als geglaubt, zu erfüllen, als er auf einem Forschungsschiff PR-Bilder schießen soll – das wäre die Chance für Nick.

Doch am Abend, bevor es losgehen soll, schleicht er sich mit ein paar Freunden auf das Gelände der Firma und überhört ein ungeheuerliches Gespräch, das für keine fremden Ohren bestimmt gewesen war. Nick, unsicher, ob das, was er gehört hat, tatsächlich wahr sein könnte, entschließt sich, seinen Job zu nutzen, um Informationen zu sammeln. Eine Entscheidung mit gefährlichen Folgen …

Der Roman: eine Einschätzung

Mir ging es wohl wie vielen: Das Thema Klima ist zwar interessant und aktuell, aber mich damit auch noch in meiner Lesezeit zu beschäftigen (in der es um Erholung und Unterhaltung gehen soll) … das war dann vielleicht doch etwas zu viel verlangt. Auch das Klimahaus stand schon lange auf meiner To-do-Liste; eine Erfahrung, die ich nun nicht mehr missen wollen würde und die nach einer Wiederholung schreit.

Diesen Sommer wurde ich dann total von Julia Dibberns Roman überrascht. Ich bin schon länger ein Fan ihres Schreibstils und besonders ihrer Dialoge (ganz zu schweigen davon, wie begeistert sie mit einem über ihre Charaktere reden kann!), aber dass sie mich auch mit dem Thema Klima derart mitreißen könnte, hätte ich nicht gedacht. Dabei ist „Wolkendämmerung“ genau die richtige Mischung aus Abenteuer und wichtiger Message: Make Climate Great Again.

Ein wichtiges Thema groß und sexy machen. Das ist ihr durchaus gelungen. Dabei hält sie sich mit Herzchen und Pink und Liebesdingen zurück, sodass der Thriller auch wunderbar für Jungs geeignet ist. Aber: Ich bin weder jugendlich noch ein Junge und habe es dennoch sehr genossen. Als Laie in allen Dingen Klima habe ich sehr viele Informationen mitnehmen können – alles wunderbar versüßt durch einen grandiosen Thrill-Faktor.

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Charaktere: bewertungbewertungbewertungbewertungbewertung

Schreibstil: bewertungbewertungbewertungbewertungbewertung

 

Cornelia Funke zu Besuch in der Hansestadt: Hörspiel-Premiere von „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“

Vergangenen Donnerstag durfte ich bei der Hörspiel-Premiere von Cornelia Funkes neuster Geschichte, „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“, dabei sein. Zu der gemeinsamen Veranstaltung von Cornelia Funkes eigenem Hörspiel-Verlags Atmende Bücher und der ZEIT wurde in die Uni Hamburg eingeladen. Ein ganzer Hörsaal voller langjähriger, aber vor allem auch junger Fans wartete gespannt, dass der Hauptgast angekündigt wurde. Als Cornelia Funke schließlich auf die Bühne gebeten wurde, gab es tosenden Applaus, der gar nicht aufhören wollte.

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Begrüßung zur Veranstaltung von Cornelia Funkes Hörspiel-Verlag Atmende Bücher und der ZEIT. Links: Cornelia Funke

Einen Monat vor dem Erscheinen von Funkes erstem Hörspiel durften wir schon einmal ins nächste Abenteuer der Drachenreiter hineinhören – buchstäblich: Mithilfe von mehreren Sprechern, Tontechnikern sowie einer Band bekamen wir ein paar Kapitel der Geschichte um das FREEFAB-Team, der Organisation zum Schutz aller Fabelwesen, zu hören. Und ihre Hilfe ist wirklich vonnöten, denn überall auf der Welt verschwinden Fabelwesen spurlos. Doch dann erhält das Team Informationen, die es übers Meer bis zu einem Vulkan, bis nach Island führen …

Cornelia Funke übernimmt an diesem Abend die Erzähler-Rolle. Aber auch auf dem tatsächlichen Hörspiel ist sie zu hören: als Winnifred. Warum gerade diese Figur, wird gefragt. Antwort: Weil es keine ihrer eigenen Figuren ist. Das Hörspiel entstand aus einer Zusammenarbeit mit David Fowler: Winni ist seine Figur und dazu noch keine Hauptfigur. Funke wollte nicht im Mittelpunkt des Ganzen stehen. Außerdem passe Winni so gut zu ihr: Genau wie Funke selbst (und auch ihr Sohn, wie sie verrät) ist Winni eine Dramaqueen.

Die Band The German Wahnsinn Team begleitete die Veranstaltung mit extra für das Hörspiel komponierten Liedern.

Auch für Cornelia Funke ist Musik ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Musik sei die größte Kunst auf Erden – mehr noch als Schreiben. Musik könne Dinge ausdrücken, Ebenen erreichen, die nicht in Worten zu beschreiben sind. Sie selbst spiele zwar kein Instrument, singe aber sehr gern. Gesagt, getan. Auf Wunsch eines ihrer jüngsten Fans gibt die Bestseller-Autorin ihr Können zum Besten.

Die Entstehung des Hörspiels

Für ihr erstes Hörspiel gründete Funke ihren eigenen Hörspiel-Verlag, Atmende Bücher, mit Sitz in ihrer alten Heimat Hamburg. Die Idee für die Fortsetzung ihrer Erfolgsserie „Drachenreiter“ entstand jedoch schon viel früher: durch die Zusammenarbeit von Funke mit dem kanadischen Drehbuchautor David Fowler. Durch Fowlers Know-how bekam die Geschichte die Struktur eines Drehbuchs, ein Umstand, der die Adaption zu einem Hörspiel Jahre später definitiv vereinfachte.

Und doch war es für die Bestsellerautorin ein ganz anderes Arbeiten als für ihre sonstigen Romane: Zum einen muss sie ihre Geschichte zum größten Teil mithilfe von Dialogen vermitteln, zum anderen ist es kein einsames Vor-sich-hin-Tüfteln, sondern eine Kooperation von den unterschiedlichsten Menschen. Was Töne und Musik angeht, die später im Hörspiel zu vernehmen sein sollen, hat sich die Autorin ganz auf andere verlassen: „Ich weiß, dass ich mit guten Leuten arbeite. [Tontechnik] ist ihr Handwerk, nicht meins, die wissen das vermutlich besser.“

Sie hat es sich aber nicht nehmen lassen, bereits hier und da im Manuskript ein paar Angaben einzustreuen: „Drachenbrüllen. Wie auch immer das klingt. Ich dachte, damit werden die Jungs ihren Spaß haben. Und sie haben dann noch einen drauf gelegt“, erzählt sie zufrieden und zeigt dankbar zu dem Mischpult hinter den Zuschauern, von wo aus auch an diesem Abend die Geräusche für das Hörspiel eingespielt werden.

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Hörspiel-Premiere: Auch Cornelia Funkes Stimme ist in ihrem ersten Hörspiel „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“ zu hören.

Hinter dem Neunzig-Minuten-Hörspiel verbirgt sich so einiges an Arbeit: Allein dreißig Stunden aufgenommener Sprechertext. Dazu noch circa zehn Tage Schnitt, plus das Aufnehmen von Geräuschen, die teilweise gekauft, teilweise in der Hamburger Umgebung eingefangen wurden. Und zuletzt auch das Komponieren von Liedern, deren Texte ebenfalls aus Funkes Feder stammen.

Und warum hat sich die Autorin dieses Mal für das Medium Hörspiel entschieden? Sie wollte etwas für die Kinder erschaffen, die Geschichten lieber hören, als lesen, und die vielleicht etwas „Angst“ vor zu dicken Büchern haben.

Wunderbar sympathisch und interessiert: Geduldig beantwortet Funke die vielen Fragen ihrer Fans.

Die Kleinen waren am vergangenen Donnerstag die ganz Großen. Die vielen Kinder, die begeistert der Hörspiel-Premiere gelauscht haben, durften der Autorin zum Schluss auch noch all ihre Fragen stellen. Beim Antworten sieht man der Bestsellerautorin aus Malibu an, wie viel Spaß ihr der Kontakt zu ihren Fans, besonders auch den kleinsten unter ihnen, macht. Ihr Kommentar, als sie die langen Schlangen an den Mikrophonen sieht: „Ich wusste, ihr lasst mich nicht hängen.“

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Woher nimmt sie ihre Inspiration? „Ich höre ständig Geschichten in meinem Kopf“, erklärt sie. Sie könne sich jederzeit hinsetzen und drei weitere Geschichten niederschreiben. Zu jeder gegeben Zeit arbeite sie an mehreren Projekten gleichzeitig. So sind zurzeit z. B. neben mehreren Kurzgeschichten und weiteren Hörspielen gleich drei große Fortsetzungen in der Mache: ein weiterer Drachenreiter-Roman, der vierte Band der Reckless-Reihe sowie eine Fortsetzung der Tintenwelt-Reihe, die fünf Jahre nach Tintentod spielen wird. Besonders letzteres ließ anwesende Fan-Herzen höher schlagen. Ein wenig gedulden müssen wir uns aber noch: Sie habe zwar bereits um die 160 Seiten geschrieben, „Die Farbe der Rache“ werde dennoch voraussichtlich erst 2019 erscheinen. Sie wolle sich für den Roman-Liebling genug Zeit lassen, um den Fan-Erwartungen gerecht zu werden. Aber Leser dürften sich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen.

Warum schreibt sie? „Du lebst dauernd ein neues Leben. Heute habe ich Flügel, morgen bin ich ein Wal.“

Mit welcher Figur kann sie sich am besten identifizieren? Fuchs (Reckless)

Welche Figur ist ihre Lieblingsfigur? Fliegenbein (Drachenreiter)

Was ist ihre Lieblingsband? The National

Welches ihrer Bücher ist ihr Lieblingsbuch? Das kann sie gar nicht sagen, das wäre, als müsste sie sagen, welches ihrer Kinder ihr liebstes wäre. Ihre Romane seien alles ihre gedruckten Kinder, die sie aus unterschiedlichen Gründen toll finde.

Was ist ihr Lieblingsbuch aus der Kindheit? Narnia und Tom Sawyer; überhaupt Abenteuerbücher, sogenannte „Jungsbücher“; früher lieh sie sich ganze Stapel Bücher aus der Stadtbücherei aus, um durch die gedruckten „Fenster“ ihrer langweiligen Heimatstadt zu entkommen.

Wie schreibt sie ihre Romane? Seinem Gedächtnis dürfe man nicht trauen, sagt sie. Das sei gefährlich; Ideen würden nicht lange im Gedächtnis haften bleiben, deshalb müsse man immer alles gleich aufschreiben, selbst, wenn man dafür auf seinen Arm schreiben muss. Und da Ideen immer zur falschen Zeit kämen, trage sie immer ein Notizbuch mit sich herum. Überhaupt schreibt sie zuerst immer in ein Notizbuch, per Hand. Die Geschichte kommt auf die rechte Seite, die linke bleibt leer für spätere Notizen und Ideen sowie Skizzen.

Warum ist sie Autorin geworden? Sie war zuerst Illustratorin, fand aber irgendwann ihre Aufträge zu langweilig. „Ich wollte Drachen zeichnen und Meerjungfrauen malen. Dann muss ich wohl selbst ein Buch schreiben, hab ich mir gedacht. Anfangs habe ich nur Romane geschrieben, um diese illustrieren zu können. Dann habe ich gemerkt, dass ich ganz gut darin bin. Und so hatte ich auf einmal einen zweiten Beruf.“

Wann hat sie ihr erstes Buch geschrieben? „Ich war steinalt. Kannst du dir vorstellen, 28 Jahre alt zu sein?“

Wie lange schreibt sie an einem Buch? Ganz unterschiedlich. An einem Bilderbuch: drei Stunden – wenn die Ideen fließen; an Reckless: zwei Stunden; an einem Wilde-Hühner-Roman: drei bis vier Monate; an einem Drachenreiter-Roman: ein Jahr …

Wie ist die Wilde-Hühner-Reihe entstanden? Ihre Lektorin bat sie, einmal ein Buch ohne Feen oder andere Fabelwesen zu schreiben. Also packte Funke alle möglichen Personen und Kinder aus dem eigenem Leben sowie die Hühner, die sie selbst einmal gehalten hat, in ein Buch: Die Geburtsstunde der Wilden Hühner, die jetzt gerade zum ersten Mal in Amerika erscheinen. Auf Englisch: The Wild Chicks. Funke meint, es sei interessant zu beobachten, wie amerikanische Kinder darauf  reagieren, wie deutsche Kinder leben, und erinnert sich an einen deutschen Vater eines Fans, der sich bei ihr bedankte, weil er wegen ihrer Romane einen Hühnerstall in seinem Garten bauen durfte.

Warum schreibt sie keine weiteren Wilden-Hühner-Bücher? Für sie muss eine Bücherreihe nicht immer weitergehen. Wenn ein Projekt zu Ende gehe, weine sie ihm keine Träne hinterher, viel eher sagt sie: „Hurra, und auf zum nächsten!“ Gleichzeitig fordert sie die jungen Leser auf: „Aber ihr könnt noch tausend Hühner-Bücher schreiben!“

Cornelia Funke Band collage
Links: Tosender Applaus, nicht nur für Bestsellerautorin Cornelia Funke, sondern auch für die Hörspiel-Sprecher, Band und Tontechniker, die den Abend möglich gemacht haben. // Rechts: Cornelia Funke gibt unermüdlich Autogramme.

Ein Aufruf zum Schreiben: Der Stab wird weitergereicht.

„Die Welt ist voller Geschichten“, erzählt Funke ihren jüngsten Zuhörern. Ein Aufruf an die nächste Generation Autorinnen und Autoren. Sie selbst mache nichts lieber, als zu schreiben … außer vielleicht Schokolade essen.

Cornelia Funke und ich
Cornelia Funke (rechts) und ich

Ein großer Dank an Lütte Lotte

Es war ein gelungener Nachmittag. Nach der tollen Veranstaltung nahm sich Cornelia Funke noch die Zeit, Autogramme zu geben und ihre Fans kennenzulernen. Ich verdanke meine Eintrittskarte einem Gewinnspiel des Blogs Lütte Lotte. Ohne sie hätte ich gar nicht mitbekommen, dass mein Schreib-Idol in Deutschland war. Vielen, vielen Dank.

Und als i-Tüpfelchen: Später am Abend setzte sich Cornelia Funke in den Restaurant, in dem ich noch mit Freunden saß, an den Nebentisch. Bevor sie ging, habe ich noch schnell um ein Foto bitten können. Ein perfekter Abschluss zu einem tollen Tag!