Carlsen schickt mich nach Hogwarts … äh, Tutzing

Vom 4. bis 6. Mai werde ich für den Carlsen Verlag nach Tutzing fahren und dort vor Ort über die Veranstaltung „Die Magie des Erzählens“ in der Evangelischen Akademie Tutzing berichten.

Bei der Veranstaltung dreht sich alles um Harry Potter und die wissenschaftliche Arbeit mit der fantastischen Kinder- und Jugendbuchreihe.

Um gut vorbereitet zu sein, habe ich nicht nur die alten Bücher wieder hervorgeholt: Ich habe mich außerdem in eins der vier Hogwarts-Häuser sortieren lassen. Was ich geworden bin? Das seht ihr in dem Video. (Es hat mich doch sehr überrascht!)

Folgt mir auf YouTube, um keine neuen Videos zu verpassen.

An dem Wochenende in Hogwarts … äh, Tutzing … werde ich euch über meinen Facebook– bzw. meinen Instagram-Kanal (@ravenous_reads) auf den Laufenden halten. Folgt mir also auch dort, um nichts zu verpassen und live dabei zu sein!

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Rezension „The Lifeboat Clique“ von Kathy Parks: die Null in 2018

Mein Lesejahr 2017 endete mit einer ganzen Reihe toller Bücher. Aber mit meinem ersten Griff ins Bücherregal im neuen Jahr endete dieser gute Lauf.

Wieso dieses Buch?

Als ich mir überlegt habe, welches Buch ich in 2018 als erstes lesen würde, ist meine Hand automatisch zu „The Lifeboat Clique“ gewandert. Ich wollte etwas Leichtes, Witziges; ich hatte gerade den neuen „Jumanji“ gesehen (der überraschend lustig war) und dadurch Nostalgie für Geschichten à la „Breakfast Club“ gespürt: Geschichten über eine Gruppe von Highschool-Kids, die sich nicht ausstehen können und doch zusammen einen Nachmittag (oder auch ein ganzes Abenteuer in einem Videospiel) überleben müssen.

„The Lifeboat Clique“ von Katy Perks scheint auf den ersten Blick genau das zu sein, was ich mir gewünscht habe. Eine Gruppe Jugendlicher feiert eine illegale Party am Strand, als sie von einer Tsunamiwelle überrascht und aufs Meer hinausgeschwemmt wird. Die Gruppe muss dort zusammen überleben, auch wenn zwischen ihnen viel böses Blut herrscht.

Im Deutschen erschien der Roman vor knapp einem Jahr beim Arena Verlag unter dem Titel „Echt mieser Zufall oder Wie ich einen Kuss wollte und beinahe dabei draufging“, was wieder zeigt, dass deutsche Verlage viel kreativer in ihrer Titelvergabe sind. Auch das Cover finde ich passender, da es die optimale Mischung aus lächerlichen Charakteren und Details  der Geschichte darstellt, auf die ich durch das Original-Cover nicht vorbereitet gewesen war. 

Mein Leseerlebnis lässt viel Luft nach oben

Ich bin nie warm geworden mit diesem Buch. Der Schreibstil war in Ordnung, der Roman ließ sich leicht lesen. Leider haben Plot und Charaktere immer wieder für ein Augenrollen oder genervtes Stöhnen gesorgt. Die Gruppe Jugendlicher auf dem Boot ist mit jedem Klischee, das man sich denken kann, ausgestattet.

Da gibt es den dummen Frauenheld, der sich für die anderen aufopfert, weil er sich selbst nicht gerade stillschweigend leidend „the man“ nennt und dabei im Delirium nur über seinen „kleinen Freund“ reden kann.

Die Bitch, die anscheinend keine einzige gute Qualität an sich hat und sogar in einer lebensbedrohlichen Situation noch auf den Losern herumhackt.

Die beste Freundin und Sidekick der Bitch, dumm wie Brot, was sie jedes Mal, wenn sie den Mund öffnet, beweist. Ich schwöre, solche Menschen gibt es einfach nicht. „Mean Girls“ lässt grüßen.

Natürlich ist da noch der Schwarm, der eine heiße, beliebte Junge, der das hässliche Entlein sieht, wirklich sieht, und sie zur fatalen Party am Strand einlädt.

Ich versteh schon, dass die Autorin unterschiedliche Charaktere auf dem Boot haben wollte, die man durch ihr Verhalten und ihre Sprache und ihre Macken voneinander unterscheiden kann – und das hat sie auch geschafft –, aber es jedes Mal so dick aufzutragen, machte jeden der Jugendlichen für mich unrealistisch und unnahbar.

Dem Ganzen gegenüber steht die Protagonistin, Denver. Ihr ausgefallener Name zeigt jedem von der ersten Seite an, dass sie anders ist und nicht so oberflächlich wie die anderen Kids aus L.A. (was sie auch nie müde ist, zu erwähnen). Ich bin immer für eine Protagonistin zu haben, die nicht auf den Mund gefallen ist, aber diese Mischung aus geprügelter Hund, der nur die Liebe und Anerkennung der anderen Schüler und ihrer ex-besten Freundin wünscht, und auf alle anderen herunterschauenden, neunmalklugen Überlebensexpertin (weil jeder Schüler ohne Freunde natürlich nur zu Hause sitzt und Naturfilme sieht) ging mir ziemlich auf den Keks.

Als großer Antagonist der Geschichte rettet sich auch Abigail, die ex-beste Freundin von Denver, auf das Boot. Sie hat Denver vor einem Jahr fallengelassen – für die „It“-Clique, für Ruhm, Partys, das Übliche. Sie fand ich noch mit am Schlimmsten von allen, da ich die ehemalige Freundschaft zu Denver kein bisschen nachvollziehen konnte. Eine solche einseitige, diktatorische Beziehung als anzustrebendes „Davor“ darzustellen, finde ich erschreckend. Denver war jahrelang einfach nur der Handlanger von Abigail, um deren Traum einer Fußballkariere wahr werden zu lassen, ein Schatten, der nicht für sich selbst denken konnte und gänzlich in der Freundschaft verloren ging. Meiner Meinung nach war es das beste für Denver, dass sie aus dieser Beziehung (wenn auch unfreiwillig) entkommen konnte. Stattdessen hat sie den ganzen Roman versucht, wieder auf guten Fuß mit Abigail zu kommen und endlich, endlich von der It-Clique akzeptiert zu werden.

Dabei gibt es scheinbar an ihrer Schule keinen einzigen Mensch, der auch nur ansatzweise akzeptabel ist. Und auch auf der Party sind alles nur fiese, dumme, unfreundliche Mitschüler – sogar für die Heilige der Klasse hat Denver nur böse Worte übrig, obwohl das Mädchen sich als einzige zu ihr setzt und versucht, sie in die Party zu integrieren.

Vielleicht ist das alles ein Versuch der Autorin, keinen der Charaktere sympathisch wirken zu lassen, sodass es nicht allzu schlimm ist, wenn man allen beim Sterben zusehen darf – oh nein, jemand wird von einem Klavier durch die Wand geschmettert, aber die war ja eh nur fies zu Denver … elendig verdurstet, schon blöd, aber halb so schlimm, der hätte Denver mal lieber zu Partys einladen sollen. Sogar ihr Schwarm kriegt noch sein Fett weg (Vorsicht, kleiner, nicht wirklich wichtiger Spoiler), indem die anderen Kids Denver erzählen, dass er sie nur eingeladen hat, um eine Wette zu gewinnen (hallo, „Eine wie keine“). Soll man jetzt weniger um ihn trauern? Die Autorin hat es in keiner Weise geschafft, ein solch schweres Thema richtig rüberzubringen. Die sarkastische Stimme von Denver schlägt einem als Leser nur auf den Magen und ließ meine Mundwinkel nach unten sinken und mich meine Stirn kräuseln.

Als das große Sterben dann vorbei ist und die Kids auf ihrem Boot umherdümpeln, passiert nicht mehr viel – als Setting ist ein solches eben nur eine gute Idee, wenn die Persönlichkeiten der Gestrandeten für genug Futter sorgen, aber bei solch schwachen Charakteren fehlt es einfach an allen Ecken und Enden.

Die ganze Zeit sollen einem Flashbacks die Figuren näher bringen und erklären, wie Denver und Abigail in ihre missliche Lage gekommen sind, aber auch hier folgen nur Klischee auf Klischee und typische Szenen aufeinander, die aus verschiedensten Highschoolfilmen zusammengeschnitten sein könnten. Unter anderem die Loserin, die nicht gut in Sport ist, die bösen Cheerleader, die Party, die aus Rache an den bösen Eltern geschmissen wird, und und und (und warum kennen Amerikaner gerade einmal eine einzige Fußballerspielerin? Es gibt doch wohl noch mehr dort draußen als Mia Hamm!).

Katastrophe und humorgefüllte Jugendbücher passen einfach nicht zusammen. Ich empfand die Verarbeitung des schrecklichen Ereignisses als makaber und geschmacklos. Besonders schön war es zu lesen, als die Bitch meint, Denver könne ja an ihrem Tisch in der Cafeteria sitzen, wenn sie gerettet würden, da ja jetzt Plätze frei wären.

… JA, WEIL EURE MITSCHÜLER GESTORBEN SIND! …

Vorsicht Spoiler folgen:

Warum ich den Roman bis zu seinem bitteren Ende gelesen habe? Vielleicht habe ich ein Aha-Erlebnis à la „Life of Pi“ erwartet.

Stattdessen folgte ein tränenreiches Zusammenkommen der beiden Ex-Freundinnen, die sich doch tatsächlich trauen, zu behaupten, dass dadurch etwas Gutes aus der Tragödie entstand. Ja, wow. Danke dafür. Es sind unzählige Menschen ums Leben gekommen, aber wenigstens habt ihr zwei euch wieder zusammengerissen. Vor euren Augen sind Leute gestorben, ihr musstet eure zu dem Punkt unverständlicherweise als Freunde betitelten Erzfeinde begraben, aber immerhin scheint ihr keine schweren posttraumatischen Störungen durch all das davongetragen zu haben. Happy End.

Fazit

Unverständlicherweise hat dieser Roman sehr viele guten Bewertungen erhalten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Das einzig Gute: Ich werde meine Regel ignorieren, die besagt, dass ich kein Buch weggebe, da ich es vielleicht irgendwann noch mal lesen wollen könnte. Dieses Buch wird sich – zusammen mit dem enttäuschendsten Buch vom letzten Jahr („Everything, everything“) – ein neues Zuhause suchen müssen, und ich werde somit wieder etwas Platz im Regal bekommen. Silver Ligning, richtig?

Plot:              bewertungbewertungminusbewertungminusbewertungminusbewertungminus

Charaktere: bewertungbewertungminusbewertungminusbewertungminusbewertungminus

Schreibstil: bewertungbewertungbewertungbewertungminusbewertungminus

Rezension „Himmelhoch – Alles neu für Amélie“ von Franziska Fischer: Ein stilles Buch übers Erwachsenwerden, das besonders mit seinen Nebenfiguren überzeugt

CoverFranziska Fischer ist auf diesem Blog kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nachdem ich von ihrem Ink-Rebels-Debüt „Und irgendwo ich“ begeistert war, musste ich ihrem neuen Roman „Himmelhoch – Alles neu für Amélie“, bei cbt erschienen, direkt am Erscheinungstag ein neues Zuhause verschaffen. Obwohl ich eigentlich gar nicht daheim in Lüneburg, sondern für einen Tag in Hannover unterwegs und mein Rucksack voll, meine Schultern müde und überhaupt alles ziemlich stressig war. Aber so ein Kurz-vor-Ladenschluss-noch-hineinhuschen-und-inmitten-von-Büchern-entspannen-Stöbern bringt dann doch zur richtigen Zeit die richtigen Schätze hervor. Mein ganz persönlicher Piratenschatz, würde Amélies kleiner Bruder Paul jetzt sagen – und er würde verstehen, warum ich „Himmelhoch“ unbedingt mitnehmen musste. Auch Amélies Tante Fiona hätte nur zustimmend genickt, da bin ich ganz sicher:

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Handlung: Erste Dates und wacklige neue Freundschaften

Amélie zieht mit ihrer Familie vom turbulenten Berlin in ein kleines Kaff an der Küste. Was für viele Teenies ein Desaster wäre, kommt ihr sogar sehr gelegen. Am liebsten würde sie ihre Tage still in ihrem Kämmerchen oder mit ihrem kleinen Bruder Paul und ihrem besten Freund Salim verbringen, aber das Mädchen von nebenan hat anscheinend andere Pläne …

Isa ist beliebt, immer gut gelaunt und möchte auch die Neuen von nebenan mit offenen Armen in ihren Freundeskreis aufnehmen. Besonders nachdem sie Amélies guten Freund Salim kennenlernt. Zu dumm nur, dass Amélie keinerlei Interesse daran zu haben scheint, weitere Freundschaften zu schließen. Ein Plan ist schnell geschmiedet …

Linus ist gar nicht von der Idee seiner Schwester überzeugt. Er würde sich lieber aus allem heraushalten, aber wenn sein Zwilling sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann muss Linus wohl oder übel helfen. Dabei hat er gerade ganz andere Dinge – oder Personen – im Kopf. Isas Freundin Svea zum Beispiel …Ribbet collage Vorsicht

Auch wenn die Geschichte am Meer spielt, ist „Himmelhoch“ kein Sommerurlaub-Eis-am-Stiel-Bikinis-all-around-Roman. Die Jugendlichen bleiben zum großen Teil trocken und die Wellen zeichnen sich meist nur in Amélies Beziehungen ab: Es ist ein stetes Ankommen-Umsehen-Herantasten-und-Abstoßen-und-wieder-Versuchen.

Ich habe mich direkt in „Himmelhoch“ wiedergefunden, in dem Gefühl, neu zu sein, sich seinen eigenen Platz zu erkämpfen. Aber auch die schönen Seiten eines Umzugs lässt Fischer nicht aus: die Entdeckungen, die Erweiterung des Horizonts, die Familienbande … Fischer schafft es immer wieder, diese besonderen Momente einzufangen. Aber auch die Geschichten von Isa und von Linus versetzen einen zurück in seine Teenie-Jahre: erste Dates, die schrecklich peinlich oder auch erschreckend perfekt verlaufen, die kleinen und großen Dramen auf dem Schulhof und im Familienleben …

Mit einer Ausnahme (psst – Spoiler) schlägt Franziska Fischers keine hohen Wellen mit ihrer Handlung; stattdessen schafft sie es, aus dem Normalen, dem Alltäglichen, einen Ruhepol des Lesens zu schaffen, der ohne viel Wirbel(sturm) auskommt und den Leser doch fesselt und mit sich reißt. Für mich, die den Roman im Urlaub in einer einsamen Hütte in den österreichischen Bergen gelesen hat, kam die Geschwindigkeit dieser Geschichte gerade rechtRibbet collage3

Erwachsenwerden muss nicht immer dramatisch sein, die Entscheidungen nicht zwischen Leben und Tod entscheiden. Anfangs suchte ich noch nach einer inhaltlichen Klammer, die die Gesichte vorantreibt und sich bereits im ersten Kapitel ankündigt, etwas, auf das alles Weitere abzielt, eben so, wie man es aus vielen anderen Romanen kennt. Fischer geht ihre Geschichte jedoch anders an.

Die Jugendlichen versuchen alle auf ihre ganz eigene Weise und unabhängig voneinander, Glück zu definieren – und finden es mehr oder weniger, wie wir alle, in den unterschiedlichsten Situationen. Manchmal sind es genau die kleinen, ruhigen Momente, in denen Charaktere entstehen und Meinungen gebildet werden. Wir als Leser verfolgen den scheinbar normalen Alltag mehrerer Jugendlichen, ein Alltag, wie wir ihn mehr oder weniger auch geführt haben, der auch oft keinen roten Faden zu haben scheint außer unseren Wünschen und Hoffnungen. Nähe entsteht. Verständnis wird erzeugt. Und ja, so manch einer sehnt sich so wie Linus gerade dann nach der als einfacher empfundenen Kindheit zurück, bevor man Teenager, bevor man erwachsen wurde.

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Charaktere: Die Kleinen ganz groß – Nebencharaktere stehlen die Show

Amélies neues Leben steht im Mittelpunkt der Geschichte. Ihr Umzug lässt die Handlung einsetzen. Ihr Name steht auf dem Cover. Und sie ist eine schöne Figur, in deren Erzählungen man gerne ein paar Stunden eintaucht.

Aber manchmal sind es die leisen, zuerst eher unwahrscheinlichen Figuren, die unerwartet auftauchen, einen mit Gefühlen und Empathie überschwemmen und einem am lautesten in Erinnerung bleiben. Für mich waren das in diesem Fall Amélies kleiner Bruder Paul, Isas Zwillingsbruder Linus und Klassenkamerad Melvin, der lediglich eine Randfigur in diesem Band spielt, in Folgebänden aber hoffentlich noch häufiger vorkommen wird.

Zuerst erscheint einem Paul als typischer kleiner Bruder: laut, nervig, mit der ganzen Aufmerksamkeit der Eltern ausgestattet. Doch mit jedem Kapitel lernt man nicht nur Amélie und ihre Vergangenheit besser kennen, sondern auch ihre Beziehung zu Paul, der sich manchmal regelrecht aus seinen Träumen rausschreien muss und Bernstein für einen Piratenschatz hält. Wie überhaupt im ganzen Roman sind auch hier die Nuancen von Fischer gut gesetzt. Aus dem Stereotyp Kleiner Bruder wird eine runde, liebenswerte Figur, die man am liebsten selbst in den Arm nehmen möchte. Ribbet collage paul

Linus findet Amélie komisch, und für Amélie ist Linus nur der Bruder des Mädchens, das sie nicht in Ruhe lassen möchte. Ihre Handlungsstränge laufen zum großen Teil parallel zueinander, ohne einander zu berühren. Nur hin und wieder kommen sie zusammen, und in genau diesen Momenten fand ich als Leser den besten Zugang zu sowohl Linus’ als auch Amélies Charakter. Die Treffen haben etwas Reines an sich, ohne das sonst oft von anderen Autoren zu dick aufgetragene Gefühl der Anziehung und der übermäßigen Analyse des anderen. Ich hoffe, dass in Folgebänden diese Freundschaft zwischen den beiden noch wächst und wieder zu so schönen Lesemomenten führt.

Schreibstil: ein Spiegel der Charaktere, um den man sich bemühen muss

Wie schon bei Franziska Fischers „Und irgendwo ich“ finde ich auch hier ihren Schreibstil wunderschön ausgearbeitet und leicht zu lesen. Amélies und Linus’ Geschichten werden aus der Ich-Perspektive erzählt, während Fischer Isas Handlung mittels personalem Erzähler vermittelt. Eine Entscheidung, die etwas irritiert und auch zum großen Teil dazu beiträgt, dass ich mich als Leser Linus und Amélie so verbunden fühle, während mir Isas Charakter manchmal noch etwas fremd erscheint. Der Kontrast zwischen den unterschiedlichen Perspektiven war mir etwas zu einschneidend, sodass ich Isa lange Zeit nicht greifen konnte.

Für meinen Geschmack hätte Fischer auch ein wenig mehr mit Dialogen arbeiten können; zum Teil wird das Besprochene nur zusammengefasst wiedergegeben, wodurch etwas von der Nähe zu den Charakteren eingebüßt wird. Dieser Stil ist etwas gewöhnungsbedürftig. Mit der Zeit empfindet man es aber weniger als Störfaktor und mehr als eine gelungene Art, die Geschichte als solche ebenfalls zu charakterisieren.

Es ist ein ruhiges, ein stilles Buch; so wie auch Amélie selbst ein Charakter ist, der einen nicht mit offenen Armen empfängt und sofort alle seine Geheimnisse preisgibt. So wie der Leser beim Schreibstil müssen sich Isa und Linus erst einmal um Amélie bemühen, sie wirklich kennenlernen … und bevor man es merkt, wird man von ihrer Geschichte mitgerissen.

Fazit

„Himmelhoch“ ist anders. In der Darstellung, im Aufbau, in seinen Charakteren. Aber gerade diese Andersartigkeit schenkt einem Leser, der bereit ist, sich darauf einzulassen, ein großes Lesevergnügen. Es ist unbedingt zu empfehlen, wenn man seinem stressigen Alltag für ein paar ruhige Stunden entfliehen möchte.

In ihrem Nachwort (Ja, ich lese immer gewissenhaft Danksagung und Nachwort und kann es nur jedem Leser empfehlen) erklärt die Autorin, weswegen sie sich für die Welt der Amélie entschieden hat:

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Und das, liebe Franziska, hast du wirklich getan. Linus, Paul & Co will ich nun nicht mehr missen. Danke dafür! Ich freue mich schon auf die Folgebände.

Plot:              bewertungbewertungbewertungbewertungbewertungminus

Charaktere: bewertungbewertungbewertungbewertungbewertungminus

Schreibstil: bewertungbewertungbewertungbewertungbewertungminus

 

Mit Kuss-Parade lässt Autorin Jennifer L. Armentrout in Hamburg Fangirl-Herzen höherschlagen

Große Gefühle bei Jennifer-L.-Armentrout-Fans in Hamburg! Freudiges Gequietsche, Aufregung, die mit jedem Schritt, den man sich dem Signiertisch nähert, größer wird …

Am Dienstagabend war die amerikanische Bestsellerautorin Jennifer L. Armentrout, die in Deutschland zuerst durch ihre „Obsidian“-Reihe bekannt wurde und inzwischen über zwanzig deutsche Erscheinungen vorweisen kann, in Hamburg zu Gast. Eingeladen wurde in das charmante Zeise Kino; die alte renovierte Fabrikhalle, in der es angesiedelt ist, war später auch die Kulisse für die Signierstunde. Veranstalter waren die Verlagshäuser Carlsen, HarperCollins Germany und Piper, in denen Armentrouts Bücher gleich mehr als ein Zuhause gefunden haben. Der Buchhandlung Hugendubel möchte ich hier besonders für den Büchertisch danken. Zum ersten Mal bin ich nämlich in die Verlegenheit gekommen, dass sich E-Books nicht allzu gut signieren lassen …

Eine tolle Überraschung gab es dann auch gleich zu Anfang: Jede Besucherin bekam eine Goodie-Bag, mit dem Hashtag Amazing Armentrout versehen und mit einer Kerze und einer Handcreme im Armentrout-Buch-Design sowie einem Kettenanhänger im „Obsidian“-Stil bestückt.

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Facebook-Einladung zur Lesung von Jennifer L. Armentrout im Zeise Kino in Hamburg.

Ganz schön viele Küsse für etwas wenig Autorinnenkontakt

Bereits erwähnte Kuss-Parade fand natürlich lediglich auf dem Papier statt. Schauspielerin Dorothee Krüger unterstützte die Veranstaltung mit wunderbar inszenierten deutschen Lesungen aus drei Werken der Autorin: „Obsidian“, „Erwachen des Lichts“ sowie „Deadly Ever After“. In jeder Lese- bzw. Hörprobe stand ein Kuss im Mittelpunkt; unverkennbar bei allen dreien: Armentrouts Schreibstil und Vorliebe für intensive Szenen mit viel Nervenkitzel.

Ich zögere jedoch ein wenig, die Veranstaltung als gelungene Lesung zu bezeichnen. Als alter Hase, was sowas angeht, konnte ich leider nur etwas enttäuscht sein. Besonders, da ich gerade in den letzten Wochen tolle Abende mit deutschen Literatur-Größen wie Cornelia Funke und Kerstin Gier besuchen durfte. Für eine gelungene Lesung gehört für mich einfach dazu, dass die Gäste auch eine Kostprobe in Originalsprache erhalten.

Besonders dass die Autorin kaum zu Wort kam, fand ich etwas unpassend. Dafür, dass wir alle da waren, um sie zu treffen und mehr über sie zu erfahren, wurde ein zu großer Teil der Stunde, die wir im Kinosaal verbringen durften, damit verbracht, den Inhalt verschiedenster Bücher zu präsentieren (den die Fans sowieso auswendig kennen) und die drei Passagen zu verlesen. Beides war meines Erachtens wenig hilfreich, um die Autorin selbst besser kennenzulernen. Mein Gedanke dazu: Wenn man schon jemanden nach Deutschland einlädt, dann sollte man ihn/sie auch aus seinen/ihren eigenen Werken lesen lassen. Vielleicht verstehen nicht alle im Publikum die englische Sprache, doch meines Erachtens hätte sich niemand beschwert, wenn er dafür ein paar mehr Minuten den originalen Worten seines Idols hätte lauschen dürfen.

Die Q&A, das Interview, zwischen den einzelnen Lesungen fiel dann leider ebenfalls mau aus. Insgesamt war zwischen den einzelnen verlesenen Passagen nur Zeit für eine Handvoll Fragen. Richtig munter wurde die Autorin erst, als endlich die jungen Leserinnen zu Wort kamen. Hier sah man endlich den „quirky“ Charakter der Autorin durchblitzen, als sie die Fangirl-Fragen mit viel Charme und offener Freude an ihren Werken beantwortete.

Dass Armentrout eine große Anhängerschaft in Hamburg hat, war schon vorher klar gewesen: Fast jeder der Kinositze war besetzt. Ich war mit meinen siebenundzwanzig Jahren schon eine der Älteren im Saal. Im direkten Vergleich zu Kerstin Gier, bei deren Jugendbuchlesung vor allem erwachsene Fans anzutreffen waren, konnte man vergangenen Abend besonders gut erkennen, welche Zielgruppe Armentrout mit ihren Reihen zu erreichen versucht. In dieser Hinsicht sind Kat und Daemon („Obsidian“ von Armentrout) im selben Atemzug zu nennen wie Bella und Edward („Biss“-Serie von Stephenie Meyer) und Elena und Damon („The Vampire Diaries“ von L. J. Smith). Letztere Autorin nannte Armentrout übrigens als ihre Inspiration, weswegen sie schon früh entschied, Autorin zu werden: Genauso wie ihr literarisches Idol wollte sie derartige Gefühle in den Lesern hervorrufen, wie sie sie als 13-Jährige beim ersten Lesen der Diaries empfunden hatte.

Auf die Frage, wie man sich ihren Schreibprozess vorstellen könne, antwortete die Amerikanerin, sie wünschte, sie wäre die Art Autorin, die alles vorher bis ins letzte Detail plottet. Stattdessen habe sie zu Beginn einer neuen Geschichte lediglich eine gewisse Ahnung, wohin die Reise gehen soll, danach vertraue sie darauf, dass ihre Handlung sich von allein entfaltet. Damit fahre es sich bisher sehr gut – auch wenn man hin und wieder ganze Stücke des Geschriebenen streichen müsse, wenn diese dann doch nicht ans gewünschte Ziel führen.

Inspiration finde sie dagegen überall: in einem Lied, in einer Werbung, aber auch in persönlichen Erlebnissen. Der Rest sei ihrer ausgeprägten Fantasie gutzuschreiben.

Bei der Signierstunde wird eines klar: Armentrouts Fans haben viel Geduld … und noch mehr Bücher

Es war wohl meine eigene Schuld. Noch einmal schnell aufs Klo huschen und einen Abstecher zum Büchertisch und Gästebuch (das Armentrout am Ende ihrer Lesereise überreicht bekommen wird) … und schon stand ich einmal quer durch die ganze Fabrikhalle als Letzte in der Schlange. Wenigstens noch nicht draußen, war da noch mein erster Gedanke. Da wusste ich aber noch nicht, dass ich geschlagene zwei Stunden auf mein Autogramm würde warten müssen. Ja, richtig gelesen. Zwei. Stunden.

Wer sich einen Eindruck von der Warteschlange machen möchte, kann sich auf Armentrouts Facebook-Seite ein Video davon anschauen (wurde kurz vor Mitternacht am 17.10. gepostet). Sucht mich … wartet … wartet … wartet … Oh, Video zu Ende. Aber da um die Ecke, da war ich.

Leider wurde die Regel, nur ein Buch signieren zu lassen, nach einiger Zeit aufgehoben, was viele freudestrahlend aufnahmen, ich dann doch mit einem Seufzen, als überall um mich herum Berge von Büchern (I’m not kidding – manche waren mit vollständigen Reihen angereist) herausgeholt wurden. Gut, dass ich FÜR GENAU SOLCHE MOMENTE immer ein Buch in der Tasche habe. Und hätte das nicht gereicht, hätte ich ja immer noch genügend Armentrout-Lektüren zur Auswahl gehabt.

Sage und schreibe sieben Bücher kommen allein in diesem Jahr von der amerikanischen Autorin in Deutschland auf den Markt. Overkill? Vielleicht. Ein wenig verliert man dann doch die Übersicht, bei mehreren Reihen mit ähnlicher Handlung. Tausche Alien gegen Halbgott gegen Dämon gegen Gargoyle – was bleibt ist ein heißer Typ, der für solche anbeißenden Szenen sorgt, wie wir sie an diesem Abend gehört haben.

Trotz allem war es schön mit anzusehen, dass ganze Cliquen von Armentrout-Anhängerinnen so viel Spaß und Fan-Liebe mitbrachten. Sogar wir alten Hasen bekommen dann wieder dieses freudige Kribbeln, wenn man dann doch endlich vor der Autorin steht. Um Teil von  all dem zu sein, steht man dann doch gerne an.*

(*Wenn auch nicht für zwei Stunden – am Ende hielt mich nur noch meine Sturheit 😉 )

Eins ist auf jeden Fall klar: Jennifer L. Armentrout is here to stay. Die Autorin kommt gut an in Deutschland und wird wohl auch in den kommenden Jahren vom Jugendbuchmarkt nicht wegzudenken sein.

Einmal ist keinmal: Für die, die nicht genug von Armentrout kriegen

Die Amerikanerin hat ein straffes Programm. Bereits von der Frankfurter Buchmesse kommend, die sie mit ihrer Größe schier überwältigt habe, ist sie in den folgenden Tagen noch in Berlin zu Besuch, bevor es weiter in die Niederlande und nach Italien geht.

Hast du schon alle Romane von Jennifer L. Armentrout? Im deutschen Handel erhältlich sind u. a. die Reihen „Obsidian“ und „Dark Elements“, der Krimi-Einzelband „Deadly Ever After“ sowie (unter dem Pseudonym J. Lynn) die Reihe „Wait for You“.

„Obsidian“ wurde von Hollywood bereits optioniert, zurzeit wird am Drehbuch gearbeitet. Eventuell wird man also in (nicht ganz so naher) Zukunft Daemon und Co auf der Kinoleinwand bewundern dürfen. Wer weiß, vielleicht kehre ich dafür wieder ins Zeise Kino zurück?!

Make Climate Sexy Again – Julia Dibbern liest im Klimahaus

Das böse Wort „Klimaerwärmung“ darf man heutzutage ja kaum noch in den Mund nehmen, geschweige denn es als Thema eines Romans auswählen, ohne dass der Gegenüber genervt die Augen verdreht und die Gedanken wandern lässt. Sollte man meinen! Ein weiterer Trugschluss: Die Jugend will sich erst recht nicht mit so (Vorsicht: Wortwitz!) trockenen Themen beschäftigen.

Julia Dibberns „Wolkendämmerung“ schafft es trotz des Stigmas „Umweltroman“ dank spannendem Plot und authentischem Schreibstil – und ohne autoritären Zeigefinger! –, den Leser zu fesseln und so das Thema Klima wieder sexy werden zu lassen.

Die Mischung macht’s: Vortrag über Geoenineering und Thriller-Lesung

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Die zahlreichen Zuhörer, sowohl Schüler als auch Erwachsene, hängen gebannt an Julia Dibberns Lippen, während Nicholas, Dibberns Protagonist, hoch oben auf einer Klippe steht, verfolgt, verzweifelt, zu allem bereit.

Ein starker Einstieg – mit Bedacht gewählt, so die Autorin des Jugendthrillers „Wolkendämmerung“. Er stelle eins klar: Ihre Geschichte ist weder trocken noch langweilig. Voller Spannung und Atmosphäre wird die Problematik Klimawandel und der daraus resultierende Kampf präsentiert. Dabei ginge es ihr vordergründig darum, eine geile Geschichte zu schreiben. Belehren wolle sie niemanden, so Dibbern.

„Thought is wonderful, but adventure is more wonderful still.“ – Oscar Wilde

Ein stigmatisiertes Thema „sexy“ verpacken – so ähnlich sieht es auch der heutige Lesungsort. Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost ist bekannt für seine originelle und einzigartige Kulisse, vor der Themen wie Klima und Wetter dargestellt werden: Mit tollen Effekts zum Anfassen kann man hier die unterschiedlichen Klimazonen entlang des 8. Längengrads durchwandern.

Obiges Zitat von Wilde ist am Eingang zum Rundgang zu finden und lässt erkennen, was Klimahaus und Julia Dibberns Roman gemein haben: So interessant und wichtig der Inhalt Klima ist – manchmal muss er einfach in einem atemberaubenden Abenteuer verpackt sein!

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Julia Dibbern: „Ich schreibe keine Sciene-Fiction!“

Bevor sich Julia Dibbern ganz dem Schreiben von Sachbüchern und Jugendromanen widmete, war sie Journalistin für Nachhaltigkeit. Ihr Beruf machte ihr deutlich, wie sehr unsere Welt schon an die Dystopien anderer Autoren erinnert. So wird auch „Wolkendämmerung“ oftmals fälschlicherweise und vorschnell als Science-Fiction abgetan. Dibbern muss dann leider widersprechen: Die Handlung in ihrem Roman ist zwar frei erfunden, jedoch gründlich recherchiert und durchaus im Bereich des Möglichen. Die Zukunft ist jetzt – in diesem Fall ein erschreckender Gedanke.

Der Roman: die Handlung

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Umweltromane im Klimahaus-Shop, u. a. Julia Dibberns „Wolkendämmerung“

Abseits von jedweden Verhandlungen über das Pariser Abkommen wächst Nick bei seinem Vater in L. A. auf. Er unterrichtet jüngere Kids im Parkours und hilft in einem Gemüseladen aus, um seine Familie über Wasser zu halten, da sein Vater diese Rolle schon lange nicht mehr übernimmt. In seiner Freizeit ist Nick jedoch begnadeter Fotograf – und erhofft sich später auch eine Karriere in dieser Branche. Dieser Wunsch scheint sich schneller, als geglaubt, zu erfüllen, als er auf einem Forschungsschiff PR-Bilder schießen soll – das wäre die Chance für Nick.

Doch am Abend, bevor es losgehen soll, schleicht er sich mit ein paar Freunden auf das Gelände der Firma und überhört ein ungeheuerliches Gespräch, das für keine fremden Ohren bestimmt gewesen war. Nick, unsicher, ob das, was er gehört hat, tatsächlich wahr sein könnte, entschließt sich, seinen Job zu nutzen, um Informationen zu sammeln. Eine Entscheidung mit gefährlichen Folgen …

Der Roman: eine Einschätzung

Mir ging es wohl wie vielen: Das Thema Klima ist zwar interessant und aktuell, aber mich damit auch noch in meiner Lesezeit zu beschäftigen (in der es um Erholung und Unterhaltung gehen soll) … das war dann vielleicht doch etwas zu viel verlangt. Auch das Klimahaus stand schon lange auf meiner To-do-Liste; eine Erfahrung, die ich nun nicht mehr missen wollen würde und die nach einer Wiederholung schreit.

Diesen Sommer wurde ich dann total von Julia Dibberns Roman überrascht. Ich bin schon länger ein Fan ihres Schreibstils und besonders ihrer Dialoge (ganz zu schweigen davon, wie begeistert sie mit einem über ihre Charaktere reden kann!), aber dass sie mich auch mit dem Thema Klima derart mitreißen könnte, hätte ich nicht gedacht. Dabei ist „Wolkendämmerung“ genau die richtige Mischung aus Abenteuer und wichtiger Message: Make Climate Great Again.

Ein wichtiges Thema groß und sexy machen. Das ist ihr durchaus gelungen. Dabei hält sie sich mit Herzchen und Pink und Liebesdingen zurück, sodass der Thriller auch wunderbar für Jungs geeignet ist. Aber: Ich bin weder jugendlich noch ein Junge und habe es dennoch sehr genossen. Als Laie in allen Dingen Klima habe ich sehr viele Informationen mitnehmen können – alles wunderbar versüßt durch einen grandiosen Thrill-Faktor.

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Charaktere: bewertungbewertungbewertungbewertungbewertung

Schreibstil: bewertungbewertungbewertungbewertungbewertung

 

Rezension „Me, without Words“ von Kira Minttu: packende Atmosphäre in jeder Zeile. Zugabe, bitte!

Julika, Katinka, Levin, Jako und James – wer jetzt denkt Moment mal, die Namen kenne ich doch, der hat ganz recht. Mit „Me, without Words“ (ein Ink-Rebel-Buch) geht die „Stay Tuned“-Reihe von Kira Minttu in die zweite Runde. In der Fortsetzung von „Keep on Dreaming“ wendet sich die Autorin Julika zu, Katinkas bester Freundin.

Anfangszitat

Während ihre Freundin auf rosaroten Wolken schwebt, muss sich Julika mit einem ganz anderen Problem befassen: Ihre Eltern schweigen sich nur noch an … und dann haben sie sich plötzlich – für Julis Geschmack – viel zu viel zu sagen.

Und während es für sie immer schwieriger wird, die dicke Luft zu Hause zu ignorieren, beginnt es auch in ihrer Beziehung zu ihrem Freund Levin zu kriseln. Da trifft sie Marc –und aus einer harmlosen Begegnung am See wird eine ungewollte Verstrickung von Geheimnissen, die Juli nicht nur ihre Beziehung zu Levin, sondern auch zu Katinka und ihren Eltern kosten könnte.

Gelungener Perspektivwechsel dank starker Figuren

Kira Minttu gelingt es, aus Nebenfiguren Protagonisten zu machen – und andersrum die vorherige Sympathiefigur gerade so weit auftauchen zu lassen, dass Fans der Reihe erfahren, wie es Katinka nach „Keep on Dreaming“ ergeht, ohne sie dabei aus der neuen (Neben-)Rolle der besten Freundin herauszuheben. Auch wenn ich persönlich liebend gern mehr Szenen über Katinka und Jako und die restliche Clique gelesen hätte, verstehe ich, dass die Isolation Julis von ihrem vertrauten Umfeld ein wichtiger Aspekt der Geschichte ist.

So sehr man sich in „Keep on Dreaming“ in Katinka verliebt hat, so wichtig ist es, Juli als separate, eigenständige Protagonistin zu erleben. Sie ist schlagfertig und selbstständig – was leider dazu führt, dass sie ihren Freunden nicht immer ihre Ängste und Zweifel zeigen kann.

Atmosphäre vom ersten Satz an

Der Roman beginnt mit einer alltäglichen Situation: Abendessen mit der Familie. Doch Kira Minttus Darstellung dieser scheinbar banalen Tätigkeit mit eingeschobenen Erinnerungen an eine bessere Zeit ist ein gelungener Einstieg in den Roman und ein grandios umgesetzter erster Einblick in die Dynamik von Julis Familie.

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Allein in dieser Szene wird ganz klar deutlich: Zwischen Julikas Eltern ist ganz und gar nicht alles in Ordnung. Und das kriegt auch die einzige Tochter zu spüren.

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„Me, without Words“ ließ mich nicht los

Kira Minttu schafft es in scheinbar einfachen Szenen eine ganze Fülle an Nuancen einzubauen. Aber gerade diese unaufdringlichen Momente zwischen Eltern und Tochter, zwischen Freund und Freundin lässt die Handlung authentisch wirken. Das atmosphärische Schreiben hat mich als Leser derart in die Geschichte gezogen, dass jedes Schaben eines zurückgeschobenen Stuhls und jeder vorwurfsvolle Blick mich bis ins Mark getroffen hat.

Der Plot selbst mag einfach genug klingen: zerrüttetes Elternhaus, ein Mädchen, dass sich mit ihren Freunden zerwirft und sich deshalb auf einen fremden, älteren Jungen einlässt … Das Rad hat Minttu tatsächlich nicht neu erfunden, weswegen ich ihr in dieser Kategorie auch nicht die volle Punktzahl geben kann.

Ihre Stärke liegt dafür in der Beschreibung der kleinen zwischenmenschlichen Interaktionen, die den manchmal doch etwas vorhersehbaren Plot in etwas Ergreifendes verwandelt. Ungekünstelt wirkende Dialoge und eine originelle Verbildlichung der emotionalen Auswirkungen auf die Charaktere tun ihr Übriges, um mich für dieses Buch zu begeistern.

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Unterschiedlich starke Handlungsstränge – aber ein rundes Ganzes

Warum verweile ich so lange beim Handlungsstrang der Eltern? Für mich ist es der stärkste Aspekt der Geschichte. Die Ehekrise der Eltern ist ein wichtiger Auslöser für die weitere Handlung. Danach entwickelt sich die Geschichte vermehrt in Richtung Marc und dessen Geheimnisse – und lässt dabei meiner Meinung nach etwas nach. (Aber ich bin auch voreingenommen – Team Levin all the way!)

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Die Figuren der Eltern sind anders als in anderen Jugendbüchern vielschichtig und haben Charakter; sie sind Menschen, Partner, auch außerhalb ihrer Rollen als Elternteil. Die Auswirkungen einer fehlgeschlagenen Ehe werden von Kira Minttu mit viel Feingefühl dargestellt.

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Gleichzeitig bietet ihre Ehe eine Parallele zu Julis eigenen sowohl romantischen als auch freundschaftlichen Beziehungen. Mit ihren Freunden ist Juli zu Beginn des Romans auf gutem Fuß.

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Doch mit jedem Streit der Eltern, fühlt sich Julika immer weniger von ihren Freunden verstanden. Mit ihnen kann sie nicht über ihre Ängste sprechen, mit Marc hingegen schon, der selbst aus ähnlichen Familienverhältnissen kommt. Mit der Zeit fühlt sie immer mehr die selbst auferlegte Distanz zwischen sich und ihren Freunden. Als die Dinge um Marc schließlich ernster und verzwickter werden, hat Juli schon niemanden mehr, an den sie sich wenden kann.

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Fazit

Ich bin ein großer Fan der Ink-Rebel-Bücher; und auch „Me, without Words“ hat mich nicht enttäuscht. Auch wenn ich mir für den Plot manchmal etwas mehr gewünscht hätte, überzeugt Minttus Schreibstil auf jeder Seite, jeder Zeile. Das allein ist Grund genug für mich, weiterhin alles zu lesen, was sie uns schenkt. Um mir ihre schönen schriftlichen Leckerbissen auf der Zunge zergehen zu lassen, sie zu genießen, fasziniert aufzuschauen, „Wow“ und „Genial“ zu murmeln … und nach dem letzten Wort „Zugabe!“ zu rufen.

P.S. Ostereiersuche – auch nach Ostern

Für alle Leser, die genauso Ink Rebel fanatisch sind wie ich: Kira Minttu hat einer anderen Ink Rebellin für deren Roman einen ihrer zweifelhaften Charaktere von „Me, without Words“  ausgeliehen. Findet ihr ihn? Was für eine tolle Idee! Mehr, bitte!

Plot:              bewertungbewertungbewertungbewertungminusbewertungminus

Charaktere: bewertungbewertungbewertungbewertungbewertungminus

Schreibstil: bewertungbewertungbewertungbewertungbewertung

#verlagebesuchen – beim Königskinder-Verlag: „Die deutschen Hersteller sind die besten der Welt!“

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„Willkommen im Schloss.“

Ein Schloss war es dann doch nicht, in dem wir mit diesen Worten begrüßt wurden. Aber ungewöhnlich war das Gebäude in dem Hinterhof, in dem sich der Königskinder Verlag versteckt, dann doch. Einem alten Fabrikgelände nicht unähnlich, mit metallenen Brücken über uns und Eisenbahnschienen, die bis in die Eingangshalle führen – inklusive alter Lokomotive: das spezielle Äußere als passende Verpackung für das, was uns drinnen erwartete.

Im Rahmen der #verlagebesuchen-Aktion zum Welttag des Buches öffnete der Imprint des CARLSEN Verlags am 21. April seine Türen. Der Königskinder Verlag wurde 2013 von Barbara König ins Leben gerufen und verfolgt bei seinen Veröffentlichungen den Grundsatz: „Ein Werk der Schönheit ist ein Glück für immer“. Diese Einstellung spiegelt sich definitiv in seinen Werken wider.

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Die Snacks, die man für uns vorbereitet hatte, erinnerten dann schon wieder mehr an den Festschmaus in einem Königshaus. Neben Fruchtgummi in Form von Kronen gab es leckere süße Tartes von der Pâttisserie. Die Küchlein sind definitiv ein Grund, nach Ottensen zurückzukehren.

Die Tartes wurden nur von einer Sache übertroffen: dem Königskinder-Handlager, in dem alle bisher erschienenen Programme des Verlags vertreten sind. Und gleich erkennt man: Barbara König macht so manches anders als andere Verlage.

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Die Cover der Programme haben immer ein übergeordnetes Thema, sodass die einzelnen Bücher aufeinander abgestimmt sind. Das erste Programm hieß z. B. „schwarz-weiß-gold“, ein anderes „Zweisamkeit“. Bei Letzterem ziert ein Mittelstreifen das Cover jedes Buches.

Bei sogenannten „Schönheitstreffen“ entscheiden Verlagsleiterin, Herstellerin und Coverdesignerin über das kommende Programm. Wie soll es gestaltet werden, welche Romane würden dazu passen etc. Barbara König ist es wichtig, dass über die Jahre nicht alle Programme aus einem Guss entstehen.

„Die Welt funktioniert in immer geordneteren [Schubladen]“, erklärte sie uns. Und dabei käme es viel zu oft zu einer „Quadratur des Kreises“. Ein gemütliches Buch könne nun einmal nicht dünn und elegant sein, gab sie uns als Beispiel. Es wäre wichtig, dass das Äußere des Buchs dessen Inhalt widerspiegelt. Man könne definitiv behaupten, dass die deutschen Hersteller die besten der Welt seien, so König. Was sie mit Schrift und dem Satz des Buches machen, sei sowohl Handwerk als auch Kunst. In dieser Einstellung erinnerte der Königskinder Verlag an meinen Besuch beim mare Verlag, bei dem ähnlich über die Beziehung zwischen Buchinhalt und -äußerem gesprochen wurde.

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Anhand des Romans „Barney Kettles bewegte Bilder“ von Kate de Goldi zeigten uns Barbara König und Lektorin Maya Geis, wie aufwendig die Covergestaltung sein kann. „Man braucht Zeit für ein gutes Cover.“ Für dieses wurden über siebenhundert Cover entworfen, viele davon mit nur kleinen Abweichungen des Vorgängers, bis das Passende gefunden wurde, das nun auf dem Buchumschlag abgebildet ist.

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Wer sich jetzt denkt Wow, was für schöne Bücher, meins muss auch ein Königskind werden, den muss ich leider enttäuschen: Die meisten Romane sind Lizenzen aus dem Ausland. Das komme vor allem daher, so König, dass es Zeit braucht, ein Vertrauensverhältnis mit einem Autor aufzubauen und der kleine Verlag gar nicht die Kapazitäten habe, deutsche Autoren derart zu betreuen, wie sie es nötig und auch verdient hätten.

Die meisten von uns müssen sich also damit zufrieden geben, diese royalen Schätze lesen und in unseren Regalen ausstellen zu dürfen.

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