Im Gespräch mit Mechthild Gläser: „Es sind einfach nur ein paar Papierseiten mit Druckerschwärze und einem Pappdeckel drum, aber trotzdem ist es eine ganze Welt.“

Die Leipziger Buchmesse war der perfekte Ort für mein Interview mit Mechthild Gläser: Umgeben von Neuerscheinungen ließ sich hervorragend über die Thematik des „Buchs im Buch“ in phantastische Geschichten sprechen und über schillernde Charakteren schwärmen.

In meiner Rezension kannst du noch mehr über Mechthilds neusten Roman erfahren.

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Mechthild Gläser über den Inhalt ihrer Romane

„Emma, der Faun und das vergessene Buch“ [„Emma“] ist eine ganz besondere Mischung an literarischen Gattungen. Wie würdest du es beschreiben?

Mechthild Gläser [MG]: Emma ist eine Mischung aus Fantasy- und Liebesgeschichte. Zum einen soll es eine moderne Version von Jane Austen („Stolz und Vorurteil“ und „Emma“) sein, zum anderen gibt es aber auch Fantasy-Elemente. Zum Beispiel die Chronik, die „meine“ Emma findet, und der mysteriöse Faun, der darin erwähnt wird. Der Roman dreht sich dann um die Fragen: Wer ist der Faun und gibt es ihn wirklich?

Die Namen Emma und Darcy sind auch aus Austen-Romanen entliehen – aber aus zwei verschiedenen. Wieso hast du dich dagegen entschieden, deinen Charakteren Namen aus derselben Geschichte zu geben?

MG: Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre „Stolz und Vorurteil“ mein Lieblingsbuch von Jane Austen, aber ich finde auch den Emma-Charakter total toll, weil das eine so starke Frau ist. Ich wollte eine richtig starke Mädchenfigur schreiben, die Entscheidungen trifft und ein bisschen vorprescht. In vielen Romanen schlittern die weiblichen Figuren eher passiv ins Abenteuer rein; ich wollte lieber eine toughe, ebenbürtige Figur zu meinem Darcy.  Natürlich finde ich Lizzie auch super, aber es hat mich einfach gereizt, diese beiden Figuren zu kombinieren.

Gleich zu Beginn gibt es eine Feier, die der in „Stolz und Vorurteil“ sehr ähnelt. Wer Jane Austen kennt, sieht da sicherlich Parallelen. Wie sehr ist die Handlung an die Originalgeschichte angelehnt? Ist „Stolz und Vorurteil“ lediglich deine Ausgangssituation oder dürfen die Leser auf weitere Parallelen hoffen? 

MG: Auch im späteren Verlauf der Geschichte kommen Szenen vor, die man wiedererkennen könnte. Ich habe schon geguckt, wie die Jane-Austen-Romane aufgebaut sind, und habe versucht, das in eine moderne Version zu übersetzen. Aber trotzdem entwickelt sich die Handlung anders, allein schon durch die fantastischen Elemente.

Und natürlich geht es in Jane Austens Romanen immer darum, dass die Protagonistin am Ende heiratet. Meine Emma muss nicht heiraten; das allein nimmt schon den Druck weg, was die Liebesgeschichte angeht. Die ist da, aber nicht so dominant wie bei Austen.

Durch die fantastischen Elemente entfernt sich die Erzählung also von den Austen-Vorbildern?

MG: Definitiv. Mir ist es wichtig, dass man das Buch lesen kann, auch wenn man nicht der totale Hardcore-Austen-Fan ist. Bei „Die Buchspringer“ ging es mir sehr ähnlich. Ich wollte klassische Literatur erwähnen, und wenn der Leser diese Bücher kennt, dann hat er einen kleinen Aha-Effekt. Aber wenn jemand die Romane nicht kennt, dann soll er die Geschichte trotzdem verstehen und Spaß dran haben können. Ich kann nicht erwarten, dass alle zwölfjährigen Mädchen, die dieses Buch vielleicht kaufen könnten, Jane Austen gelesen haben.

Hast du das Gefühl, dass deine Romane bei älteren Leser zu einer Art nostalgischem Lesen führen? Da sie über Bücher lesen, die sie noch „von früher“ kennen?

MG: Ich habe schon den Eindruck, dass viele in der Zielgruppe zwanzig bis dreißig meine Bücher lesen. Für die sind dann vielleicht noch mehr Wiedererkennungsmomente drin als für jüngere Leser. Andersrum finde ich es auch schön, wenn Kinder vielleicht auf die Idee kommen, sich doch mal die Klassiker anzugucken. Ich möchte mit meinen Büchern niemanden erziehen oder zu irgendetwas verleiten, aber ich fände es trotzdem schön, wenn sie Lust darauf machen, noch mehr zu lesen – ganz unabhängig davon, was man dann liest.

Deine Romane spielen immer an außergewöhnlichen Orten wie der isolierten Insel bei den „Buchspringern“ oder das Internat bei „Emma“, das bei Hanni-und-Nanni- und Harry-Potter-Fans die Nostalgie-Note anklingen lässt. War das auch für dich eine Herzenssache?

MG: Dass es so gekommen ist, war ehrlich gesagt eher die Geschichte, die es gefordert hat. Bei den „Buchspringern“ flieht Amy am Anfang und ich wollte ein Setting haben, bei dem sie fernab von ihrem eigentlichen Leben ist, wo sich die Geschichte entwickeln kann. Und bei „Emma“ brauchte ich auch ein in sich abgeschlossenes Setting, weil Emma mit der magischen Chronik die Welt um sich herum verändert. In einer Großstadt wären diese Veränderungen wahrscheinlich nicht so schnell aufgefallen, weil dort viel mehr Komponenten mit hineinspielen.

Sprichst du bewusst in deinen Romanen die Probleme zwischen Jugendlichen und ihren Eltern an?

MG: Tu ich das? Dann mache ich es eher unbewusst. Aber ich glaube, dass es in Jugendbüchern oft ums Abnabeln und Erwachsenwerden der Protagonisten geht. Wahrscheinlich hat jeder Jugendliche irgendwelche Probleme mit den Eltern, sodass sie sich in die Figuren hineinversetzen können. Und natürlich schreibe ich gerne über Konflikte, da ich ohne sie nicht viel zu erzählen hätte.

Manche deiner Romane scheinen ein offenes Ende zu haben. Sind es trotzdem Einzelbände – oder hältst du dir die Hintertür offen, vielleicht doch noch mal eine Fortsetzung zu schreiben?

MG: Meine ersten beiden Romane waren eine Dilogie, aber das lag einfach daran, dass eine Geschichte manchmal eben einfach so viel hergibt, dass man zwei Bücher dafür braucht. „Emmas“ Ende ist hingegen abgeschlossen, das der „Buchspringer“ dafür ein wenig offener. Aber eigentlich habe ich keine Fortsetzungen geplant. Ich finde es reizvoll, sich mit jedem Buch eine neue Welt und neue Figuren ausdenken zu können. Und das Buch als etwas in sich Abgeschlossenes, Rundes zu planen.

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Mechthild Gläser über ihren Schreibprozess

Wie ist dein Schreibprozess? Hast du eine Grundidee und legst dann los oder planst du alles durch?

MG: Ich bin schon eine ziemliche Planerin. Es gibt Autoren, die haben eine Idee, und am nächsten Tag können sie anfangen zu schreiben. Das ist bei mir gar nicht so. Ich habe eine relativ lange Phase, in der ich Ideen sammle und überlege: Worum geht es eigentlich? Was will der Bösewicht? Wer ist der Bösewicht? Braucht man überhaupt einen Bösewicht?

Ich stelle mir selbst Fragen und überlege, was wichtig sein könnte, und zeichne eine Plotline auf und was in den einzelnen Kapiteln passiert. Das mache ich schon sehr genau. Wenn ich vor einem weißen Blatt Papier säße, hätte ich viel zu viel Angst, anzufangen und mich in eine Ecke zu schreiben. Oder am Ende noch mal alles zigmal umschreiben zu müssen, weil man am Anfang doch etwas anders hätte machen müssen. Ich fühle mich beim Schreiben besser, wenn ich vorher weiß, wohin es geht.

Ist es schon mal passiert, dass etwas trotz Planung ganz anders gekommen ist, als geplant?

MG: Das passiert andauernd. Während des Schreibens schiebe ich den Plan dann oft noch mal um. Aber das ist auch okay. Wenn es kommt, dass ich denke Ne, so würde die Figur das nicht machen. Das passt nicht und wäre total unglaubwürdig, dann würde ich dem auch nachgehen und versuchen, den Plan anzupassen. Aber trotzdem habe ich immer noch den Masterplan und weiß, was im nächsten Kapitel passieren wird und wie alles endet – wenn es nicht so wäre, würde mich das zu sehr unter Druck setzen.

Wie läuft bei dir die Recherche ab? In „Die Buchspringer“ erwähnst du viele Klassiker. Hattest du die Szenen noch alle von früheren Lektüren im Kopf oder hast du die Bücher alle noch einmal gelesen?

MG: Das war eine Mischung. Ich habe relativ lange vorher recherchiert, welche Bücher ich in meine Geschichte integrieren möchte – welche Szenen würde zur Handlung passen, was bietet sich an, welche Bücher haben ein tolles Setting, in das ich schon immer gerne mal  hineinschnuppern wollte.

Aber ich habe dann während des Schreibens auch gerne noch mal die Bücher zur Hand genommen, besonders um die Szenen, in die meine Helden hineinspringen, noch einmal im Original zu lesen, um die Details richtig wiederzugeben. Natürlich habe ich die Klassiker nicht eins zu eins übernommen, sondern habe sie vom Ton und von der Erzählweise in meine Geschichte eingeflochten. Sonst wäre am Ende ein Puzzle aus verschiedenen Stilen herausgekommen, und ich wollte ja schon etwas Eigenes schreiben. Daher musste ich jedes Mal schauen, wie es sich am besten adaptieren lässt.

Wie sieht das rechtlich aus? Muss man als Autor auf sowas achten?

MG: Ich habe kaum Zitate eingebaut – und die wenigen werden direkt vorne im Buch genannt. Ansonsten habe ich Klassiker gewählt, bei denen die Autoren schon über siebzig Jahre tot sind [wodurch die Urheberrechte nicht verletzt werden] – der jüngste Roman war „Der Kleine Prinz“, dessen Autor 1944 gestorben ist. Mein Buch kam 2015 raus, sodass das gerade noch gepasst hat. Aber ja, da muss man schon drauf achten.

Gibt es etwas, das du in jeden Roman einbaust?

MG: Ich habe nicht einen Satz, der überall drin vorkommt. Ich weiß, es gibt Autoren, die das machen, und ich finde das auch ganz witzig, aber das ist bei mir nicht so. Ich habe das Gefühl, ich schreibe jedes Mal ein ganz anderes Buch. Obwohl die Leute, die meine Bücher lesen, mir schon gesagt haben, dass man merkt, dass sie von mir sind. Ich weiß gar nicht, woran das genau liegt, ob das der Erzählton ist … Anscheinend gibt es einen Wiedererkennungswert, aber worin der genau besteht, kann ich selbst gar nicht greifen.

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Mechthild Gläser über ihr Dasein als Autorin

Hast du einen Lieblingsschreibort?

MG: Ich schreibe viel zuhause, aber ich schreibe auch in öffentlichen Bibliotheken. Ich finde das total nett, wenn um einen herum auch noch andere Leute mit ihren Laptops sitzen und jeder leise vor sich hin arbeitet. Das motiviert: Ach, alle arbeiten, dann muss ich wohl auch wieder ran. Dort kann ich mich besser strukturieren. Zuhause werde ich schnell abgelenkt.

Schreibst du hauptberuflich?

MG: Jein. Ich habe eine Zeit lang hauptberuflich geschrieben. Aber inzwischen habe ich wieder angefangen zu studieren. Dieses Mal Medizin. Das ist einiges an Arbeit. Deswegen muss ich gucken, wie ich alles unter einen Hut kriege. Ich würde immer noch sagen, dass ich hauptberuflich schreibe, weil ich damit mein Geld verdiene, aber ich habe quasi nicht mehr hauptberuflich Zeit, um zu schreiben.

Und warum gerade Medizin?

MG: Ich habe mir nach dem Abi überlegt, dass ich was mit Schreiben machen oder Ärztin werden will. Also habe ich zuerst Geisteswissenschaften studiert und mit den Büchern angefangen. Als das dann aber so gut geklappt hat, kam dann irgendwann der Punkt, wo ich dachte War es das jetzt? Willst du noch was anderes? Ich habe mir dann überlegt: Vielleicht habe ich dadurch, dass ich das mit den Büchern machen darf, auch noch die Chance, etwas anderes zu machen. Ich würde später auch wirklich gerne als Ärztin arbeiten. Aber ich will auch gerne weiter schreiben. Man muss einfach schauen, wie es sich entwickelt.

Dann hast du ja einiges um die Ohren. Wie sieht es da mit dem inneren Schweinehund oder Schreibblockaden aus?

MG: Schreibblockaden habe ich eher weniger, was wohl auch an meiner detaillierten Planung liegt. Und der Schweinehund: Natürlich macht mir Schreiben Spaß, ich kann da super drin aufgehen und alles um mich herum vergessen. Aber letzten Endes ist es immer noch Arbeit. Und man hat nicht immer jeden Tag gleich viel Lust und würde an manchen Tagen vielleicht lieber etwas anderes machen, was aber wegen der Abgabetermine nicht geht.

Das heißt, du stellst dir selbst ein Pensum, das am Tag geschafft werden muss?

MG: Ich versuche mir immer Tages-, Wochen-, Monatsziele zu setzen. Ich halte die nicht immer ganz ein. Manchmal läuft es gut und ich schreibe mehr Seiten als geplant, mal läuft es schlechter, weil eine Szene schwierig ist und ich noch dreimal drübergehe, bevor ich zufrieden bin. Das kann auch schon mal vorkommen.

Wie lange schreibst du an den Büchern?

MG: Das ist ganz unterschiedlich. An „Emma“ habe ich ein halbes Jahr gearbeitet. Reine Schreibzeit. Ich habe Ende August angefangen und Ende Januar abgegeben. Die Ideenfindung fand die Wochen davor statt. Aber in der Zeit macht man nicht nur das, sondern sitzt noch an einem Lektorat eines anderen Buches oder schreibt noch mal wieder was anderes. Ganz genau lässt sich das also nicht festlegen. Aber dieses erste Planen zieht sich schon über mehrere Wochen, bevor ich ein Exposé schreibe und das den Verlagen schicke.

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Mechthild Gläser über die Anfänge als Autorin

Warum schreibst du jugendliche Phantastik? Was fasziniert dich daran?

MG: Ich habe als Fünfzehnjährige angefangen zu schreiben und das war halt das, was ich damals auch selbst gelesen habe. Zum einen könnte man also sagen, ich bin da hängen geblieben. Andererseits finde ich, dass man im Jugendbuch-Bereich viel ausprobieren kann, ganz anders als bei Büchern für Erwachsene, wo die Genres viel abgegrenzter sind. Beim Jugendbuch habe ich das Gefühl, dass man eher mal vom Weg abweichen darf. Und Fantasy mag ich persönlich total gerne. Da kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen und erfinden, was ich will.

Du hast früh angefangen zu schreiben. Bereits in der Schule wurde dein Theaterstück aufgeführt. Wie waren damals deine ersten Schritte als Schriftstellerin?

MG: Ich habe das alles gar nicht erwartet. Als das Theaterstück aufgeführt wurde, fühlte sich das wie eine Art Betätigung an: Ok, vielleicht hast du ja doch etwas Talent. Vielleicht lässt sich daraus ja was machen. Nach dem Theaterstück habe ich mich dann auf Bücher verlegt. Bei denen hat es dann aber länger gedauert, bis ich veröffentlicht wurde. Ich bin zwar ziemlich schnell an eine Agentur gekommen – ich war gerade einmal siebzehn – und das war auch ein total tolles Gefühl –, aber darum war es dann auch etwas niederschmetternd, als dann keiner das Buch wollte. Damals hätte ich noch den Teenie-Bonus gehabt – eine junge Autorin lässt sich halt gut vermarkten. Leider war dem dann aber nicht so.

Weißt du noch, wem du zuerst erzählt hast, dass dein erster Roman veröffentlicht werden würde?

MG: Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich weiß noch, dass ich auf der Arbeit war, als ich davon erfahren habe – damals hatte ich einen Studentenjob in der Bibliothek und durfte eigentlich gar nicht telefonieren. Aber da hat mir meine Agentin erzählt: „Loewe will dein Buch veröffentlichen!“ Ich hatte gar nicht mehr damit gerechnet und war dann völlig aus dem Häuschen und stand dann schon etwas neben mir. Wahrscheinlich habe ich meinen Eltern als erstes davon erzählt.

Überlegst du, die Bücher von damals jetzt doch noch zu veröffentlichen?

MG: Meine Agentur hat mich das auch schon gefragt: „Wie wäre es denn, wenn wir noch mal etwas aus der Schublade kramen, was du mit siebzehn/achtzehn geschrieben hast?“ Aber ich habe das Gefühl, dass ich mich seitdem extrem weiterentwickelt habe. Das waren damals nur die ersten Schreibversuche. Ich würde nicht sagen, dass es total grottig war, aber ich würde heute einfach vieles anders machen. Vielleicht kann man daher eher die Grundidee oder die Charaktere von damals nehmen und etwas Neues daraus basteln. Aber ich habe auch so viele neue Ideen, dass ich wahrscheinlich gar nicht dazu kommen werde.

Rückblickend auf diese erste Zeit als Jungautorin – hast du Tipps für angehende (junge) Autoren?

MG: Es ist wichtig, dass man nicht aufgibt. Man steckt halt erst mal Absagen ein. Das ist einfach so. Es kommt halt selten vor, dass man etwas schreibt und sofort sind alle begeistert und es wird direkt ein Bestseller. Es wäre natürlich schön, wenn das passiert, und ich freu mich für jeden, bei dem es so klappt, aber bei den meisten ist es eben nicht so. Ich war dann auch immer traurig, wenn es nicht geklappt hat, aber mich hat es angespornt, zu sagen: Ok, dann mach ich es jetzt eben besser. Es ist schon fast eine Art Trotz, die man haben muss. Das ist das Wichtigste: Das man immer weiterschreibt und sich nicht unterkriegen lässt.

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Mechthild Gläser über ihre Lesegewohnheiten

Was ist dein Lieblingsbuch aus deiner Kindheit?

MG: Ich habe total gerne „Momo“ von Michael Ende gelesen. Ich habe es in der fünften oder sechsten Klasse gewonnen. Das war so ein Buch, das ich die ganze Zeit mit mir herumgeschleppt habe.

Und ein Lieblingsbuch aus den letzten Jahren?

MG: Ich mag die Bücher von Antonia Michaelis total gerne.

In deinen Romanen geht es oft um das haptische Buch. Wie wichtig ist dir in der heutigen digitalen Zeit das Print-Buch? Und liest du selbst E-Books?

MG: Ich lese auch E-Books, aber ich empfinde das tatsächliche, haptische Buch immer noch als etwas ganz Besonderes. Ich bin damit aufgewachsen, und ich finde es immer noch faszinierender, das Werk wirklich in den Händen zu halten. Es sind einfach nur ein paar Papierseiten mit Druckerschwärze und einem Pappdeckel drum, aber trotzdem ist es eine ganze Welt. Für mich ist es eine Art Wunder, das in dem Buch steckt. Und das spüre ich meiner Meinung nach mehr, wenn ich ein echtes Buch in der Hand halte. Aber meine Bücherregale sind auch begrenzt, darum habe ich auch einen E-Reader.

Wann liest du? Wenn gerade ein paar Minuten frei sind? Oder nimmst du dir die Zeit, Bücher zu genießen?

MG: Seit ich selbst schreibe und Abgabetermine habe, ist das Lesen leider zurückgegangen. Als Jugendliche habe ich jede Woche Bücher aus der Stadtbücherei ausgeliehen und bin darin aufgegangen. Ich lese immer noch total gerne, aber wie wahrscheinlich bei den meisten Leuten mache ich das jetzt eher im Urlaub oder abends vor dem Einschlafen – nur ein paar Seiten und dann bin ich auch schon weg.

Außerdem ist es leider doch so, dass ich, wenn ich den ganzen Tag vor meinem eigenen Text gesessen habe, abends keinen anderen Text mehr sehen kann, meine Augen sind dann einfach müde. Dazu kommt noch, dass es, wenn ich dann auch noch Jugendbücher lese, fast schon wieder Arbeit ist – Marktbeobachtung oder Recherche. Oder mir fällt auf Oh, der hat den Charakter aber toll aufgebaut. Woran liegt das, dass das hier so gut funktioniert? Diese Hintergründe sind spannend für mich, im Hinterkopf hat man dann halt doch einen kleinen Lektor sitzen, der mitdenkt. Wenn ich also zum Vergnügen lese, lese ich dann doch eher ein anderes Genre, damit ich abschalten kann.

Was machst du sonst noch, um eine Auszeit vom Schreiben zu haben?

MG: Ich gehe gerne spazieren, bin in der Natur unterwegs. Schaue Serien oder treffe mich mit Freunden und koch was mit denen. Nichts Spektakuläres.

Wenn dich ein Charakter in unserer Welt besuchen könnte, welcher wäre das?

MG: Da fallen mir natürlich gleich Jane-Austen-Charaktere ein, Lizzie und Darcy zum Beispiel. Aber auch Sherlock Holmes oder Peter Pan sind faszinierende Persönlichkeiten. Es gibt schon sehr schillernde Charaktere in der Literatur, das wäre schon sehr spannend.

Und in welcher Buchwelt würdest du gerne selbst einmal leben?

MG: Ich würde gerne nicht nur in einer Buchwelt leben können. Das hatte mich auch gereizt, als ich meine Romane geschrieben habe: dass man viele Welten erkunden kann. Das würde ich liebend gern können. Ich würde gerne alle meine Lieblingsbücher besuchen und auch gerne einen Tag in Hogwarts verbringen. Dennoch ist es vielleicht ganz schön, wenn man sie besuchen und dann zurück auf sein Sofa springen könnte.

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Mechthild Gläser über die Zukunft

Und was kommt für dich als Nächstes?

MG: Ich schreibe gerade an einem Roman. Es wird wieder Fantasy ab zwölf – wer hätte das gedacht? [lacht] Es erscheint im Frühjahr 2018. Ich kann noch gar nicht viel darüber verraten. Dieses Mal handelt es nicht um ein Buch, sondern um ein anderes Thema. Und ist vielleicht auch etwas düsterer als das, was ich bisher geschrieben habe.

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Mechthild Gläser …

… wurde 1986 geboren.

… studierte Politik, Geschichte und Wirtschaft – und seit Neustem auch Medizin.

… trinkt am liebsten Pfefferminztee.

Ihre Romane: „Stadt aus Trug und Schatten“ (2012) und „Nacht aus Rauch und Nebel“ (2013), „Die Buchspringer“ (2016), „Emma, der Faun und das vergessene Buch“ (2017)

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