Im Gespräch mit Beth Revis: Wieso „A World Without You“ ihr bisher persönlichster Roman ist

20170224_015443

Beth Revis kannte ich bis letztes Jahr nur von ihrer Godspeed-Reihe, in der es um eine Reise durchs All geht, bei der es zu unerwarteten Komplikationen kommt. Die All-Age-Trilogie hatte mich mit ihrer Liebe zum Detail, ihrer Weltenbildung und ihren unvorhersehbaren Plot-Twists überzeugt – als ich also hörte, dass Beth Revis die Kuratorin der ersten Literary Young Adult Box von Quarterly sein würde, war ich sofort Feuer und Flamme. Ihr Name garantierte mir, dass ich die doch etwas hohen Versandkosten aus den USA nicht bereuen würde.

godspeedgodspeed2godspeed3

Als die Box dann schließlich kam – und mit ihr zusammen „A World Without You“ (AWWY) -, lernte ich eine ganz neue Seite der amerikanischen Erfolgsautorin kennen. AWWY ist kein Science-Fiction-Roman und behandelt schwere Themen wie psychische Erkrankung und Verlust. Und gleichzeitig sind auch hier viele Fandom-Details zu finden, die auf die Vorliebe der Autorin für Science Fiction hinweisen, sei es die Namensgebung oder die Traumwelt von Bo (siehe unten). AWWY ist anders als alles, was ich vorher von Beth Revis gelesen habe. Es ist mehr – mehr Emotion, mehr Gänsehaut, mehr Hinterfragung der Realität. Die Geschichte ging mir unter die Haut.

Später bekam ich dann die Möglichkeit, der Autorin direkt Fragen zu sowohl AWWY als auch zu ihrem Dasein als Autorin zu stellen. Das folgende Interview habe ich aus meinen Fragen und denen anderer Quarterly-Abonnenten sowie den Kommentaren und dem Anschreiben aus der Quarterly Box zusammengestellt.

„Realität ist nicht mehr so wichtig wie das, was wir als real empfinden.“

Als sie erfuhr, dass ihre Quarterly-Box es bis nach Deutschland geschafft hatte, war sie begeistert.

Beth Revis (BR): Hi! Guten Tag, Rabea! Deutschland ist eins meiner Lieblingsländer, auch wenn ich leider erst zweimal dort gewesen bin. Ich will aber unbedingt noch mal wiederkommen. [Während unsere Korrespondenz ansonsten auf Englisch verlief, schrieb sie hier tatsächlich die deutsche Begrüßung, ein nettes Detail, was sie mir gleich noch sympathischer gemacht hat.]  

a-world-without-you

Wie lange hast du insgesamt an AWWY geschrieben?

BR: Alles in allem circa zehn Monate. Was ungewöhnlich schnell für mich war. Aber ich hatte in der Zeit auch eine andere Deadline, die ich einzuhalten hatte: Am Freitag habe ich das Buch eingereicht, und am folgenden Montag kam mein Sohn auf die Welt.

Wie war es für dich, AWWY mit uns zu teilen – insbesondere durch die Quarterly Box?

BR: AWWY ist mein bisher persönlichstes Buch. Die Quarterly Box ermöglichte einen noch intensiveren Austausch mit dem Leser und erlaubte mir eine wunderschöne Möglichkeit, meine Gedanken und Erinnerungen zu teilen.

Wie kommt es, dass du bei AWWY thematisch in eine so andere Richtung gegangen bist als in deinen vorherigen Science-Fiction-Romanen?

BR: Ich hatte nie vor, AWWY zu schreiben. Als ich anfing, sollte es ein ganz normaler Zeitreise-Roman werden. Aber als sich die Geschichte entwickelte, habe ich eine neue, andere Geschichte entdeckt. Sie wurde mehr und mehr zu meiner eigenen Lebensgeschichte.

Mein Bruder hatte eine psychische Erkrankung, die unsere Familie auseinanderzutreiben schien. Ich begann, mich an meine Vergangenheit zu erinnern – wie einsam ich damals war, wie ängstlich, dass meine Freunde und die restliche Welt von meinem Bruder erfuhren. Ich habe damals den Fehler gemacht, zu denken, dass ich alleine damit zurechtkommen müsste. Ich hoffe, dass AWWY zeigt, dass dieser Gedanke falsch ist und man sich den Menschen in seinem Umfeld anvertrauen sollte.

revis5
Hier zeigt Beth Revis, wie sie auf den Namen Amelia Rivers für eine Figur aus ihrem Roman „A World Without You“ gekommen ist.

Du bist bekannt dafür, ein großes Fangirl zu sein und dass viele Charaktere ihre Namen nicht von Ungefähr bekommen.

BR: Viele meiner Namen entstammen der Popkultur. Aber nicht nur aus dem Scifi- und Fantasy-Bereich. Phoebe, Bos Schwester, habe ich zum Beispiel nach der Schwester von Holden Caulfield, dem Protagonisten aus „Der Fänger im Roggen“, benannt.

Sofía wollte ich anfangs Penny nennen, eine Anlehnung an ein „Doctor Who“-Sachbuch von Russel T. Davies, in dem er eine Figur namens Penny beschreibt, die es nie in die Geschichten geschafft hatte. Ihre Geschichte wurde nie erzählt – das hat mich sehr an Sofía erinnert, da sie in AWWY kaum selbst auftritt. Und auch ihre Geschichte wird nie wirklich und zur Gänze erzählt.

Aber da ich bereits Phoebe hatte, wollte ich nicht zwei Namen von so wichtigen Charakteren mit P beginnen lassen. Darum wurde aus Penny Sofía – ein Name, der auch besser zu ihrer Herkunft passt.

Wieso hast du dich bei deinem Protagonisten in AWWY für Bo entschieden?

BR:  Den Namen Bo habe ich aus einer Geschichte, die ich vor Jahren geschrieben habe, die aber nie veröffentlicht wurde. Sie handelte von einem Jungen, der nicht lügen kann. Es war außerdem die erste Geschichte, die ich nach dem Tod meines Bruders geschrieben hatte. Mein Bruder war die Inspiration für AWWY. Das und die Frage aus der Geschichte, was Wahrheit und was Lüge, was Realität ist, hat dazu geführt, dass ich Bo Bo genannt habe.

Wieso hast du den Aspekt der Zeitreisen in den Roman eingebracht?

BR: Wenn wir mit einem Verlust umzugehen haben, hoffen wir immer auf das Unmögliche. Wenn wir jemanden, den wir lieben, verlieren, sind Kleinigkeiten wie die Realität nicht mehr wichtig. Realität ist nicht mehr so wichtig wie das, was wir als real empfinden. Oder wie Dumbledore schon sagte: „Natürlich passiert es in deinem Kopf, Harry, aber warum um alles in der Welt sollte das bedeuten, dass es nicht wirklich ist?“ (J. K. Rowling, „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“)

Kann Bo also durch die Zeit reisen oder nicht?

BR: In AWWY wird diese Frage beantwortet. Aber wer sorgfältig liest, findet vielleicht noch ein bisschen mehr …


[Beth Revis gab auch einen schönen Einblick in ihr Dasein als Autorin. Darüber werde ich bald in einem weiteren Beitrag berichten!]

Advertisements

2 Kommentare zu „Im Gespräch mit Beth Revis: Wieso „A World Without You“ ihr bisher persönlichster Roman ist

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s